TRABZON – Uzungöl, eines der bekanntesten Naturziele der Türkei, wird nun unter geologischer Lupe untersucht. Forscher wollen herausfinden, wie der malerische See vor Jahrhunderten entstand und ob ähnliche Naturgefahren heute noch bestehen.
Der See im Landkreis Çaykara in der östlichen Schwarzmeerregion zieht jedes Jahr Hunderttausende in seinen Bann – mit seiner idyllischen Landschaft, der Holzarchitektur und der ganzjährigen Naturkulisse.
Laut Überlieferung soll Uzungöl im 17. Jahrhundert entstanden sein: Ein gewaltiger Erdrutsch von den Hängen oberhalb des ehemaligen Dorfes Şerah blockierte den Haldizen-Bach, bildete einen natürlichen Damm und so den See.
Während diese Entstehungsgeschichte weithin akzeptiert ist, waren die genauen geologischen Abläufe, Auslöser und langfristigen Folgen bislang kaum untersucht. Ein neues Forschungsprojekt will dies ändern.
Die Initiative wird gemeinsam vom Erdrutsch-Forschungs- und Anwendungszentrum (UYGAR) der Technischen Universität Karadeniz und der Provinzdirektion der türkischen Katastrophenschutzbehörde AFAD durchgeführt.
Durch detaillierte geologische, geophysikalische und geomorphologische Analysen sollen die Mechanismen der Seebildung rekonstruiert und mögliche zukünftige Erdrutschrisiken, insbesondere im Kontext des Klimawandels, bewertet werden.
„Heute besteht keine Gefahr eines Erdrutsches, wie er zur Entstehung des Sees führte. An höheren Lagen sind nur kleinere erdrutschbedingte Aktivitäten zu beobachten“, betonte Hakan Ersoy, Vorstandsmitglied des Forschungszentrums. Überschwemmungen durch starke Regenfälle oder Schneeschmelze könnten jedoch lokal auftreten.
„Indem wir verstehen, wie Uzungöl entstanden ist, wollen wir zukünftige großflächige Ereignisse besser vorhersagen und verhindern“, fügte er hinzu.