Der touristische Brückenschlag zwischen der Türkei und Griechenland wird enger: Am 13. Juni nimmt eine neue Fährlinie den Betrieb auf, die die nordwesttürkische Hafenstadt Çanakkale erstmals direkt mit der griechischen Insel Limnos verbindet. Die Route soll den grenzüberschreitenden Reiseverkehr weiter ankurbeln und die wirtschaftliche Verflechtung in der Nordägäis vertiefen.
Die Einrichtung der neuen Seeverbindung fällt in eine Phase stark wachsender Reisetätigkeit zwischen beiden Nachbarländern. Als zentraler Treiber gilt ein von Athen aufgelegtes beschleunigtes Visumverfahren, das türkischen Staatsbürgern die Einreise auf ausgewählte Ägäisinseln erleichtert. Griechische Regierungsvertreter erwarten durch die Çanakkale-Limnos-Route einen zusätzlichen Anstieg der türkischen Besucherzahlen, die sich in den vergangenen zwei Jahren bereits signifikant erhöht haben.
Athen hatte das Programm zur vereinfachten Visumerteilung bei Ankunft im März bereits zum zweiten Mal verlängert. Die im April 2024 gestartete Regelung, die auf einem bilateralen Abkommen von Dezember 2023 basiert, ermöglicht den Zugang zu zwölf beliebten Inseln, darunter Rhodos, Kos und Lesbos. Laut offiziellen Angaben hat die Initiative maßgeblich dazu beigetragen, dass die Zahl türkischer Griechenland-Besucher die Marke von 1,5 Millionen überschritten hat. Vertreter der Tourismusbranche sprechen sogar von einer Verfünffachung der Gästezahlen aus der Türkei auf den Ägäisinseln in den vergangenen Jahren.
Neben dem Tourismus profitiert auch der Immobiliensektor: Türkische Investitionen in Griechenland, insbesondere über das sogenannte „Goldene Visum“-Programm, das ein Aufenthaltsrecht gegen Immobilienkauf gewährt, summierten sich auf rund 720 Millionen US-Dollar. Mit der neuen Fährverbindung rückt die Nordägäis nun auch logistisch enger zusammen.