An den Mittelmeerstränden der Türkei ist die diesjährige Brutsaison der vom Aussterben bedrohten Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) weitgehend abgeschlossen. Wie die Organisation Ekolojik Araştırmalar Derneği (EKAD) mitteilte, erreichten in den vergangenen Monaten rund 200.000 Jungtiere aus etwa 4.400 Nestern die offenen Gewässer des Mittelmeers.
Die Brutsaison erstreckt sich jährlich von Anfang Mai bis in den Spätsommer. Wissenschaftler und Freiwillige des Projekts „Deniz Kaplumbağalarını İzleme ve Koruma” (Projekt zur Überwachung und zum Schutz von Meeresschildkröten) unter der Leitung von Ali Fuat Canbolat, Dozent an der Hacettepe-Universität und Vorsitzender von EKAD, identifizierten die Nester an den Stränden von Belek, Kızılot, Kundu und Lara. Diese zählen zu den bedeutendsten Brutgebieten der Caretta caretta in Europa.
Die Teams markierten die Nester mit GPS-Daten und vergaben Nummern, um sie unter Schutz zu stellen. Nach dem Schlüpfen der Tiere öffneten die Helfer die Nester kontrolliert, um anhand der zurückgebliebenen Eierschalen die Anzahl der erfolgreich geschlüpften Jungtiere zu dokumentieren. Die Daten wurden anschließend an die zuständigen Behörden übermittelt.
Nur ein bis zwei von 1.000 Jungtieren überleben
Der Biologe Fatih Polat, der für die Region Kızılot verantwortliche Projektleiter, wies auf die geringe Überlebensrate der Art hin. Statistisch gesehen erreichen von 1.000 geschlüpften Jungtieren nur ein bis zwei Exemplare das Adultstadium. Der Schutz der Nester sei daher für den Fortbestand der Population entscheidend. In der Region Kızılot befanden sich zuletzt noch vier Nester in der Schlüpfphase. Die Jungtiere dieser Gelege wurden innerhalb einer Woche im Meer erwartet.
Die Naturschützer bewerteten menschliche Einflüsse in diesem Jahr als besonders problematisch. So wurden nach Angaben der Organisation mehrere Nester von Unbekannten aufgegraben. Zudem führte künstliche Beleuchtung in Küstennähe dazu, dass sich einige Jungtiere bei ihrem Weg ins Meer in die falsche Richtung orientierten und landeinwärts wanderten. Auch Fahrzeuge, die in die Strandbereiche eindrangen, stellten eine Gefahr für die Gelege dar. All diese Faktoren bedrohten sowohl die adulten Weibchen bei der Nestanlage als auch die schlüpfenden Jungtiere.
Laut EKAD unterstützten in diesem Jahr 45 Freiwillige aus acht Ländern die Arbeit der Organisation an den türkischen Mittelmeerstränden.