An der Mittelmeerküste der südtürkischen Provinz Hatay ist es derzeit zu einer ungewöhnlich hohen Konzentration von Quallen gekommen. Wie die İskenderun Teknik Üniversitesi (İSTE) am Donnerstag mitteilte, haben Wissenschaftler im Bezirk Arsuz umfangreiche Untersuchungen der Quallenansammlungen durchgeführt. Badegäste und Anwohner werden eindringlich davor gewarnt, die Tiere zu berühren.
Ersten Erkenntnissen der Forschergruppe um Prof. Dr. Önder Duysak, Leiter der Abteilung für Meeresbiologie und Spezialist für wirbellose Meerestiere, sowie Prof. Dr. Nebil Yücel, Leiter des Zentrums für Klimawandel und Nachhaltigkeit, zufolge handelt es sich bei dem Phänomen primär um einen natürlichen ökologischen Zyklus. Die Populationsexplosion stehe in direktem Zusammenhang mit einer vorangegangenen Planktonblüte, die wiederum durch erhöhte Nährstoffeinträge ausgelöst wurde.
Ursächlich für die Planktonvermehrung sind insbesondere die saisonal bedingten Süßwasserzuflüsse der Flüsse Seyhan und Asi. Diese transportieren derzeit große Mengen an Stickstoff und Phosphor aus landwirtschaftlichen Düngemitteln und Niederschlägen in den İskenderun-Golf. Die gestiegene Verfügbarkeit von Plankton als Nahrungsgrundlage führt folglich zu einer massiven Vermehrung der Quallen, die in der Nahrungskette eine Stufe darüber stehen.
Die Universität betonte, dass solche Ereignisse zwar optisch beeindruckend, für den Tourismus jedoch störend seien. Aus biologischer Perspektive stellten sie einen nachvollziehbaren Teil des marinen Ökosystems dar. Gleichzeitig wiesen die Experten jedoch ausdrücklich auf die Gesundheitsgefahr hin. Die angeschwemmten Arten verfügen über Nesselzellen, die bei Hautkontakt schmerzhafte Verbrennungen und allergische Reaktionen hervorrufen können.
Prof. Dr. Mehmet Duruel, Rektor der İSTE, erklärte, die Universität sehe es als ihre Kernaufgabe an, regionale Umweltprozesse mit wissenschaftlicher Expertise zu begleiten. „Die korrekte Analyse dieser ökologischen Vorgänge im Golf von İskenderun ist essenziell für die Umwelttragfähigkeit und die öffentliche Gesundheit. Wir werden unsere akademischen Ressourcen weiterhin für die Überwachung vor Ort einsetzen“, so Duruel.