Forscher taufen “Wald-Geist” zum wichtigsten Indikator für Mittelmeer-Ökosysteme

17.01.2026 – 16:00 Uhr

Fünf Jahre nach den verheerenden Waldbränden in der türkischen Mittelmeerregion haben Wissenschaftler eine seltene Wildkatze offiziell als „Schlüsselart“ für den Gesundheitszustand der betroffenen Ökosysteme zertifiziert. Dies teilte der an der Studie beteiligte Forscher Dr. Yasin İlemin von der Muğla Sıtkı Koçman Universität (MSKÜ) mit.

Die jetzt in der internationalen Fachzeitschrift „Fire“ veröffentlichte Studie untersuchte die Auswirkungen der Brände und verschiedener Wiederaufforstungsmethoden auf mittelgroße und große Säugetiere. Im Fokus stand dabei der Karakal (Caracal caracal), eine auch als „Waldgeist“ bekannte, scheue Luchsart.

„Wir haben den Karakal für die mediterranen Ökosysteme als Indikatorart bescheinigt“, sagte Dr. İlemin. Solche Arten zeigen durch ihre An- oder Abwesenheit den Zustand ihres Lebensraums an. Die mehrjährige Forschung fand vor allem im verbrannten Bördübet Yaban Hayatı Geliştirme Sahası bei Marmaris statt, einem wichtigen Lebensraum des Karakals. Erst im November 2023 gelang es dem Team, einen Karakal mit einer Kamerafalle zu dokumentieren – ein Beleg für die Rückkehr der Art.

Die Ergebnisse zeigen ein klares Muster: Während sich in abgebrannten Gebieten generalistische Arten wie der Rotfuchs stark ausbreiteten, blieb der spezialisierte Karakal vor allem auf unverbrannte Waldflächen oder natürlich regenerierte Gebiete beschränkt. Laut Studie führten künstliche Aufforstungen und Plantagen zu einer Verarmung und Vereinheitlichung der Tiergemeinschaften.

„Die funktionelle Vielfalt war in unverbrannten Waldbeständen höher”, so Dr. İlemin. „Wir haben festgestellt, dass künstliche Wiederherstellung und Plantagen den Artenreichtum verringern und die Homogenisierung erhöhen. Das ist für die Tierwelt negativ.“

Die Studie unterstreicht stattdessen den hohen Wert der natürlichen Wiederbewaldung. Diese fördert eine ausgewogenere Gemeinschaftsstruktur und die funktionelle Vielfalt. Die Entscheidung der örtlichen Forstbehörden, auf natürliche Verjüngung zu setzen, hat sich somit als entscheidend für den Erhalt der biologischen Vielfalt nach den Bränden erwiesen.