Forscher schlagen Alarm: Seltene Nil-Weichschildkröte in der Türkei massiv bedroht

Bilder: DHA
01.08.2026 – 15:00 Uhr

Antalya – Die in den Flüssen und Flussmündungen der türkischen Mittelmeerküste lebende Nil-Weichschildkröte (Trionyx triunguis) ist nach Einschätzung von Naturschützern akut gefährdet. Als größte Bedrohungen gelten die zunehmende Bebauung an Flussufern sowie die Freizeitfischerei.

Fatih Polat, Projektkoordinator des Vereins für Ökologische Forschung (EKAD), untersucht die Art seit 2018 und hat in der Provinz Antalya mehrere bislang unbekannte Nistgebiete entdeckt. Die Nil-Weichschildkröte lebt vor allem in Süßgewässern wie Flüssen und Seen, kann aufgrund ihrer Salztoleranz jedoch auch ins Meer schwimmen und Tiefen von bis zu 55 Metern erreichen.

 

 

Nach Angaben Polats reicht das Verbreitungsgebiet entlang der türkischen Mittelmeerküste von Dalyan und Dalaman bis zum Asi-Fluss an der syrischen Grenze. Besonders große Bestände gibt es demnach in der Region Dalyan-Dalaman sowie am Seyhan-Fluss in der Provinz Adana.

Die bislang letzte landesweite Schätzung aus dem Jahr 2001 ging von weniger als 1.000 Tieren in der Türkei aus. Polat hält diese Zahl inzwischen für überholt. Bei Untersuchungen an rund 20 bis 25 Flüssen in Antalya seien vielerorts mehr als 50 Tiere pro Gewässer nachgewiesen worden. Insgesamt könnte die Population in der Region deutlich größer sein als bisher angenommen.

Unabhängig von der Bestandsgröße bleibt die Art jedoch stark gefährdet. Seit 2021 wird die Nil-Weichschildkröte auf der Roten Liste der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft.

Als größte Gefahr nennt Polat die zunehmende Bebauung und Versiegelung der Flussmündungen. Hinzu komme der Boom der Freizeitfischerei. Die überwiegend fleischfressenden, aber auch pflanzliche Nahrung aufnehmenden Schildkröten verschluckten häufig Köder an Angelhaken und verendeten anschließend an den Verletzungen.

 

 

Auch Touristen könnten den Tieren unbeabsichtigt schaden. In einigen Hotelregionen, etwa bei Manavgat, würden Besucher die Schildkröten mit Caretta-Caretta-Meeresschildkröten verwechseln und sie mit Brot, Käse oder anderen Lebensmitteln füttern. Eine dauerhafte Fütterung könne das natürliche Verhalten und die Gesundheit der Tiere beeinträchtigen.

Ein weiteres Problem ist der Verlust geeigneter Nistplätze. Durch Uferbefestigungen mit Steinen und die Zerstörung der natürlichen Vegetation finden die Weibchen immer seltener geeignete Stellen zur Eiablage. Teilweise legen mehrere Tiere ihre Eier auf engstem Raum ab, wodurch Nester beschädigt werden und die Schlupfrate sinkt.

Nach den Beobachtungen von EKAD legt ein Weibchen durchschnittlich 25 bis 30 Eier pro Gelege. In den Regionen Belek und Manavgat schlüpfen jedoch nur etwa 45 Prozent der Jungtiere erfolgreich. Bis sie nach 15 bis 20 Jahren geschlechtsreif werden, überlebt nur ein kleiner Teil der Tiere.

Die Naturschützer fordern daher einen besseren Schutz der Flussmündungen und Nistgebiete, um das langfristige Überleben der seltenen Schildkrötenart zu sichern.