Anatoliens „Pyramiden“ trotzen der Zeit: Gigantische Grabhügel geben Rätsel auf

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27.08.2026 – 17:00 Uhr

MANISA – Sie sind bis zu 70 Meter hoch, ragen weithin sichtbar aus der Landschaft und haben Jahrtausende überdauert: Die Bintepeler-Grabhügel in der westtürkischen Provinz Manisa gelten als die „Pyramiden Anatoliens“. Die monumentale Nekropole zeugt vom Reichtum und der Macht des antiken lydischen Königreichs.

Die Grabhügel liegen unweit von Sardes, der Hauptstadt des antiken Lydiens. Auf einer Fläche von rund 73 Quadratkilometern erstrecken sich Hunderte unterschiedlich große Hügelgräber. Archäologische und historische Hinweise deuten darauf hin, dass das Areal einst etwa 160 Gräber umfasste. Rund 125 sind bis heute erhalten.

Damit gilt Bintepeler als eine der größten Grabhügel-Nekropolen der Welt.

Ein 70 Meter hoher „Gigant“

Das eindrucksvollste Bauwerk ist der Tumulus des lydischen Königs Alyattes, des Vaters des legendären Königs Kroisos. Der monumentale Grabhügel ist rund 70 Meter hoch und hat an seiner Basis einen Durchmesser von etwa 300 Metern.

Seine Dimensionen haben ihm Vergleiche mit den Pyramiden Ägyptens eingebracht. Schon der antike Geschichtsschreiber Herodot berichtete über das gewaltige Grabmal und bezeichnete es als eines der größten von Menschen errichteten Monumente.

Noch heute ist die Silhouette des Hügels aus mehreren Kilometern Entfernung über die Gediz-Ebene hinweg zu sehen.

Keine simple Erdaufschüttung

Neue archäologische und geologische Untersuchungen zeigen, dass die monumentalen Grabhügel keineswegs einfach aus aufgeschütteter Erde bestehen. Ihre Errichtung erforderte offenbar umfangreiche Planung und ausgeklügelte Bautechnik.

Für den Tumulus wurden unterschiedliche Bodenarten aus verschiedenen geografischen Regionen und geologischen Schichten herangeschafft. Die Materialien wurden in mehreren Schichten aufgetragen, vermischt und verdichtet. Diese Konstruktion sollte die Stabilität erhöhen und das Bauwerk vor Erosion und Naturkatastrophen schützen.

300 Menschen bauten 15 Jahre lang

Nicholas Cahill, Leiter der Ausgrabungen im antiken Sardes, zufolge könnte der Alyattes-Tumulus von einer Arbeitsgruppe aus etwa 300 Menschen über einen Zeitraum von rund 15 Jahren errichtet worden sein.

Maschinen standen dabei praktisch nicht zur Verfügung. Die Arbeiter nutzten lediglich wenige Wagen und benötigten große Mengen Wasser, um die Erde Schicht für Schicht zu verdichten.

Im Inneren des Grabhügels wurden verschiedene Erdschichten entdeckt – darunter dunkle Erde und sandige Materialien. Dies deutet darauf hin, dass die Bauteams gezielt unterschiedliche Böden heranschafften und beim Bau in aufeinanderfolgenden Schichten einsetzten.

Ein Monument der lydischen Könige

Bintepeler vermittelt damit nicht nur einen Eindruck von den Bestattungsritualen der Lyder, sondern auch von ihrem technischen Können und ihrem Verständnis für monumentale Architektur.

Aus der Luft wirken die gewaltigen Grabhügel wie riesige Pyramiden, die über die Ebene verstreut liegen. Sie erinnern bis heute an die Macht der lydischen Könige und Aristokraten – und an eine Zivilisation, deren Bauwerke den Lauf von mehr als zwei Jahrtausenden überstanden haben.