Der Klimawandel verändert das Mittelmeer tiefgreifend – und mit ihm die Artenvielfalt. Laut dem Meeresbiologen Doç. Dr. Olgaç Güven von der Akdeniz-Universität dringen immer mehr sogenannte „Einwandererarten“ in das Ökosystem ein und sorgen dort für grundlegende Umbrüche.
Einige dieser Arten integrieren sich offenbar erfolgreich und entwickeln sogar wirtschaftlichen Nutzen. Fische wie der „Paşa-Barbe“ oder der sogenannte „Lokum-Fisch“ haben sich etabliert und finden inzwischen ihren Weg auf die Fischmärkte. Auch bestimmte Korallenarten, die seit den 2000er-Jahren eingewandert sind, tragen trotz Konkurrenz mit einheimischen Arten zur Wirtschaft bei.

Doch nicht alle Entwicklungen sind positiv. Besonders pflanzenfressende invasive Arten setzen empfindliche Lebensräume unter Druck. Seegraswiesen, die für viele Fische als Brut- und Rückzugsort dienen, werden zunehmend zerstört. Arten wie der Kaninchenfisch fressen nicht nur ausgewachsene Pflanzen, sondern auch junge Triebe – mit drastischen Folgen für das gesamte Ökosystem. Studien zeigen, dass 70 bis 80 Prozent der pflanzenfressenden Biomasse inzwischen aus solchen invasiven Arten besteht.
Als besonders problematisch gilt der Kugelfisch. Er beschädigt Fischernetze, zerstört Angelgeräte und enthält das hochgiftige Tetrodotoxin, wodurch er weder für Menschen noch für natürliche Fressfeinde genießbar ist. Dadurch entsteht eine Art „Sackgasse“ in der Nahrungskette, weil Energie nicht weitergegeben werden kann.
Auch der invasive Rotfeuerfisch breitet sich zunehmend aus. Als nicht wählerischer Räuber frisst er nahezu alles, was ihm begegnet – insbesondere junge Fische, die keine Abwehrmechanismen gegen ihn entwickelt haben. Experten vergleichen sein Jagdverhalten mit einem „offenen Buffet“. Immerhin: Richtig zubereitet ist der Rotfeuerfisch essbar und könnte so wirtschaftlich genutzt werden.
Güven betont, dass nicht jede eingewanderte Art automatisch schädlich ist. Während einige kaum Einfluss haben oder sogar wirtschaftlich nutzbar sind, gelten andere als invasiv, da sie heimische Arten verdrängen und das ökologische Gleichgewicht stören.
Das Mittelmeer steht damit unter doppeltem Druck: Klimawandel und biologische Invasion betreffen die gesamte Region – von der Ost- bis zur Westküste. Fachleute fordern daher eine gemeinsame internationale Strategie, um die Auswirkungen einzudämmen.