Monaco lädt türkische Schüler ein: KI-Anwendung aus Marmaris warnt vor invasivem Rotfeuerfisch

01.06.2026 – 8:00 Uhr

Eine tödliche Gefahr für das Mittelmeer, eine künstliche Intelligenz und eine internationale Bühne: Mit einem innovativen Projekt gegen die invasive Rotfeuerfisch-Plage haben zwei Schüler eines anatolischen Gymnasiums auf sich aufmerksam gemacht. Das Ozeanografische Institut von Monaco hat das Team nun exklusiv zu einem Bildungsgipfel eingeladen.

Die Jugendlichen der Sabancı Anadolu Lisesi in Marmaris (Provinz Muğla) werden vom 8. bis 11. Juni am Programm „Oceano pour Tous” im Ozeanografischen Museum von Monaco teilnehmen. Dort vertreten sie erstmals die Türkei und treffen auf rund 20 Gleichaltrige aus Algerien, Italien, Spanien und Frankreich.

App erkennt Plagegeber in Echtzeit

Hintergrund der Einladung ist das Projekt „The Eye Behind Me“. Unter der Leitung ihrer Englischlehrerin und Mentorin Duygu Bilgin haben die Schüler eine auf maschinellem Lernen basierende App entwickelt. Das Programm wurde darauf trainiert, den Rotfeuerfisch visuell von anderen Arten zu unterscheiden. Erkennt die KI den aggressiven Eindringling, schlägt sie sofort Alarm. Künftig soll die Technologie in Unterwasser- und Bootskameras integriert werden, um Taucher und Fischer direkt zu warnen.

Der ursprünglich im Indopazifik beheimatete Rotfeuerfisch breitet sich mangels natürlicher Feinde rasant im Mittelmeer aus und bedroht das ökologische Gleichgewicht sowie die Fischerei. „Es war uns wichtig, nicht nur ein theoretisches Problem zu beschreiben, sondern eine praktische, technologische Lösung anzubieten”, erklärte Bilgin, die auch ehrenamtliche Ausbilderin der Mittelmeer-Schutzvereinigung ist. Für die App wurde bereits ein Markenpatent beantragt.

Von der Gökova-Bucht auf die Weltbühne

Die Initiative ist kein Zufallsprodukt. Die Schule liegt in unmittelbarer Nähe zur Gökova-Bucht, die aus sieben Schutzzonen besteht. „Die Schüler erleben die Natur direkt vor der Haustür. Deshalb wollten wir ein kollektives Projekt zum Meeresschutz entwickeln, das weit über den Unterricht hinausgeht“, so Bilgin. Genau das forderte der von den Vereinten Nationen unterstützte Wettbewerb des Instituts: ein Bewusstsein für die Klimakrise zu schaffen und konkrete Schutzkonzepte für das marine Leben zu entwickeln.

Das Projekt kombiniert Umweltbildung, Strandreinigungen, Verkostungsworkshops mit Speisefischen und Tauchgänge. „Bildung bedeutet für uns nicht nur akademisches Wissen, sondern die Schüler durch eigenes Handeln auf das Leben vorzubereiten“, betonte die Pädagogin. Dass das türkische Team nun als Pionier nach Monaco reist, wertet sie als Bestätigung dieses Ansatzes. Ziel sei es, künftigen Generationen eine lösungsorientierte Perspektive auf Umweltprobleme zu vermitteln.