Das türkische Urlaubsparadies Marmaris steuert in der Tauchsaison auf einen neuen Besucherrekord zu. Die Region ist traditionell für ihre Strände bekannt, entwickelt sich aber mit 32 ausgewiesenen Tauchplätzen zunehmend zu einem Magneten für Unterwasser-Enthusiasten aus aller Welt. Doch der Boom hat auch seine Schattenseiten: Der zunehmende Schiffsverkehr bringt Taucher in Lebensgefahr.
Die lokale Tauchindustrie verzeichnet eine außergewöhnlich hohe Nachfrage, die das Niveau vor der Pandemie deutlich übertrifft. Täglich laufen voll besetzte Tauchboote aus den Häfen von Marmaris und İçmeler aus. Das Angebot ist zweigeteilt: Während Urlauber bei Schnuppertauchgängen erste Erfahrungen unter Wasser sammeln, absolvieren ambitionierte Sporttaucher international anerkannte Zertifikatslehrgänge.
Selen Güner, Tauchlehrerin auf einem der Ausflugsboote, erläutert das strenge Sicherheitsprotokoll für Anfänger. „Die größte Angst der Gäste ist, Wasser in den Mund zu bekommen. Das trainieren wir vorab intensiv“, erklärt sie. Die Teilnahme ist ab 12 Jahren mit elterlicher Einwilligung möglich, wobei Personen mit Herzleiden, Bluthochdruck oder Schwangere ausgeschlossen sind. Die ersten Tauchversuche finden gemäß den Verbandsvorschriften in einer maximalen Tiefe von fünf Metern statt, oft in den geschützten Buchten um Keçi Adası und Cennet Adası. In diesem Jahr sind die Hauptzielgruppen einheimische Touristen, ergänzt durch Urlauber aus den Niederlanden, Großbritannien und Russland.
Der erfahrene Tauchausbilder Metin Güner, der seit über 35 Jahren in der Branche tätig ist, bestätigt diese Entwicklung. „Unsere Kurse sind täglich ausgebucht. Die Bandbreite reicht von 18 bis zu 40 Metern Tiefe für lizenzierte Taucher, wobei die genaue Tiefe immer vom Erfahrungslevel abhängt.“ Die biologische Vielfalt und die geologischen Formationen der Region locken selbst Kenner an. Die niederländische Urlauberin Stephanie Gruger, die bereits weltweit getaucht ist, zeigt sich beeindruckt: „Marmaris gehört definitiv zu den schönsten Unterwasserwelten, die wir je gesehen haben. Es ist ein einzigartiges Erlebnis.“
Doch je voller die Buchten sind, desto größer werden die Risiken. Metin Güner warnt eindringlich vor der gestiegenen Gefahr durch den motorisierten Freizeitverkehr an der Wasseroberfläche. „Es ist ein enormes Sicherheitsproblem. Immer wieder drängen Touristenboote in unsere Tauchgebiete ein und werfen sogar Anker, während sich Taucher unter Wasser befinden“, kritisiert Güner. Diese Zwischenfälle sorgen für erhebliche Unruhe bei Gästen und Personal. Der Experte fordert strengere Kontrollen durch die Behörden sowie eine verpflichtende Sensibilisierung aller Schiffsführer. Trotz der trüben Aussichten an der Oberfläche bleibt die Stimmung unter Wasser glasklar.