Türkei startet Korallen-Restaurierungsprojekt im Marmarameer

12.04.2026 – 16:00 Uhr

ANKARA – Die türkischen Behörden haben ein Pilotprojekt gestartet, um beschädigte Korallenökosysteme im Marmarameer wiederherzustellen. Ziel ist es, den durch den Klimawandel und menschliche Aktivitäten verursachten Biodiversitätsverlust umzukehren.

Unter der Leitung des Ministeriums für Umwelt, Urbanisierung und Klimawandel konzentriert sich die Initiative auf die Rehabilitation von Korallenlebensräumen in ökologisch geschützten Gebieten des Marmarameers. Das zweijährige Projekt wird in Zusammenarbeit mit der Fakultät für Wasserwissenschaften der Universität Istanbul durchgeführt.

Umweltminister Murat Kurum kündigte das Projekt auf sozialen Medien an und beschrieb es als „eine Reise von Sivriada bis zur Hayırsız-Insel im Marmarameer“. „Wir bringen die Korallen – die Wälder der Meere – zurück ins Leben und heilen damit die Natur“, erklärte der Minister.

Im Rahmen des Projekts transplantieren Wissenschaftler gesunde Korallenfragmente von einem Standort zum anderen, um degradierte Riffbereiche zu regenerieren. Der Pilotstandort befindet sich rund um die Hayırsız-Insel, wo beschädigte Populationen gelber Gorgonenkorallen mit gesunden Exemplaren aus dem nahegelegenen Sivriada unterstützt werden. Nach der Transplantation werden die Korallen engmaschig überwacht, um ihr Wachstum und ihre Anpassung zu verfolgen.

Bislang wurden über 200 Korallenfragmente erfolgreich umgesetzt. Laut Ministerium wurde das Projekt als Reaktion auf die zunehmende Korallensterblichkeit der letzten Jahre gestartet, verursacht durch steigende Wassertemperaturen, Verschmutzung und andere menschliche Belastungen.

Korallen spielen eine entscheidende Rolle in marinen Ökosystemen, da sie zahlreichen Arten Lebensraum bieten und die Biodiversität insgesamt unterstützen. Ihr Rückgang kann Kaskadeneffekte entlang der Nahrungskette auslösen.

Das Restaurierungsprojekt wird vor dem Hintergrund einer sich verschärfenden Umweltkrise im Marmarameer umgesetzt. Jüngste ökologische Untersuchungen zeigen, dass der Sauerstoffgehalt in den tieferen Gewässern der Bucht kritische Tiefstwerte erreicht hat, was das Überleben großer Meeresarten und von Spitzenprädatoren bedroht. Experten warnen, dass diese „Hypoxie“, ausgelöst durch steigende Wassertemperaturen und chronische Verschmutzung, das Leben im Wasser zunehmend gefährdet.

Die Behörden betonen, dass die Ergebnisse des Projekts darüber entscheiden werden, ob ähnliche Restaurierungsmaßnahmen auf andere Teile des Marmarameers und darüber hinaus ausgeweitet werden können. Bei Erfolg könnte die Initiative als Modell für die Wiederherstellung mariner Ökosysteme in der Türkei dienen und zu umfassenderen Strategien für Umwelt- und Klimaschutz beitragen.