Türkei: Seddülbahir-Festung auf Gallipoli-Halbinsel für renommierten europäischen Museumspreis nominiert

06.01.2026 – 19:00 Uhr

Çanakkale – Die Seddülbahir-Festung, eine historische osmanische Festungsanlage auf der Halbinsel Gallipoli in der nordwesttürkischen Provinz Çanakkale, wurde für den European Museum of the Year Award 2026 (EMYA) nominiert, wie der Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy bekanntgab.

Ersoy erklärte in einer Mitteilung auf Social Media, dass die Nominierung Seddülbahir „auf die europäische Bühne“ bringe und das Museum damit zu einem der angesehensten europäischen Programme zähle. Die Festung zeichne sich heute als kultureller Ort aus, der historisches Gedächtnis mit zeitgenössischen Museumskonzepten verbinde.

Die Festung wurde vom Kultur- und Tourismusministerium umfassend restauriert und nach Abschluss des Projekts zur Konservierung und musealen Aufbereitung am 18. März 2023, dem Jahrestag des Seekampfs von Gallipoli, für Besucher wiedereröffnet.

Ursprünglich im 17. Jahrhundert von Hatice Turhan Sultan, der Mutter von Sultan Mehmed IV., errichtet, nimmt die Festung eine strategisch bedeutsame Position ein. Hier fanden in den frühen Phasen der Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg einige der ersten Gefechte und Verluste statt.

Neben der EMYA-Nominierung hat die Festung bereits mehrere internationale Auszeichnungen für ihre Restaurierung und das innovative Design erhalten. So gewann das Projekt einen Preis bei den International Architecture Awards 2025, einer der wichtigsten globalen Plattformen im Bereich Architektur.

Zudem wurde es bei den International Domus Restoration and Conservation Awards unter 167 Projekten in die Top 25 gewählt, wodurch die vorbildliche Herangehensweise an Denkmalschutz hervorgehoben wurde. Die Architekturplattform Dezeen verlieh dem Projekt außerdem die Auszeichnung „Heritage“.

Die Seddülbahir-Festung wurde unter der Koordination der historischen Stättenverwaltung Gallipoli als Freiluftmuseum wiedereröffnet, mit dem Ziel, als Modell für zeitgemäße Präsentation von Kulturerbe zu dienen.

Ein besonders auffälliges Element ist die Rekonstruktion des Bab-ı Kebir, des Haupttores der Festung, das während der ersten Bombardierungen des Ersten Weltkriegs zerstört wurde. Anstatt einer konventionellen Rekonstruktion entwarfen die Architekten eine großformatige Holzkonstruktion, die das Original visuell und räumlich evoziert, ohne es direkt zu imitieren.

Die Holzstrukturen, darunter das Bab-ı Kebir und die kuppelartige Ausstellungshalle, bestehen aus lokal gewonnenen Materialien und sind speziell so gestaltet, dass sie den rauen Küstenbedingungen der Halbinsel standhalten.

Architekten, Ingenieure und Archäologen arbeiteten eng zusammen, um die Restaurierung an internationale Standards im Denkmalschutz anzupassen.