ÇANAKKALE – In der 86.000 Jahre alten İnkaya-Höhle in der westtürkischen Provinz Çanakkale soll erstmals eine Umwelt-DNA-Analyse (e-DNA) durchgeführt werden. Forscher hoffen, damit neue Erkenntnisse über die Menschen, Tiere und Pflanzen zu gewinnen, die die Höhle während der Altsteinzeit nutzten.
Die Höhle liegt im Gebiet des Dorfes Bahadırlı im Landkreis Çan und wurde 2016 von einem Team der Universität Ankara entdeckt. Seitdem laufen dort archäologische Untersuchungen, die Aufschluss über die Wanderungsbewegungen von Menschen der Altsteinzeit zwischen Anatolien und dem Balkan geben sollen.

40.000 Steinwerkzeuge – aber keine organischen Überreste
Besonders rätselhaft ist für die Forscher ein ungewöhnlicher Befund: Bei den Ausgrabungen wurden inzwischen rund 40.000 Feuersteinfunde entdeckt – organische Überreste dagegen überhaupt nicht.
„Wir haben bislang keinen einzigen organischen Fund“, erklärte der Grabungsleiter Prof. Dr. İsmail Özer von der Universität Ankara. „Das ist eine sehr ungewöhnliche Situation.“
Die Wissenschaftler wollen deshalb mithilfe der e-DNA herausfinden, welche Mikroorganismen möglicherweise für den Abbau und die Zersetzung organischen Materials verantwortlich waren.
DNA aus dem Boden soll Geschichte erzählen
Dafür sollen im September Experten des Labors für genetische Evolution der Universität Ankara Bodenproben aus der Höhle entnehmen. In den darin enthaltenen DNA-Spuren könnten sich Hinweise auf das damalige Ökosystem verbergen.
Die Analyse könnte unter anderem zeigen, welche Pflanzen und Tiere einst in der Umgebung vorkamen. Mit etwas Glück könnten die Forscher sogar DNA-Spuren jener Menschenarten identifizieren, die die Höhle bewohnten oder nutzten.
„Wir wollen anhand der DNA versuchen, die paläoökologische Struktur dieser Region zu rekonstruieren“, sagte Özer.
Seit 2017 wird ausgegraben
Die İnkaya-Höhle wurde zwischen 2017 und 2020 unter Leitung des Troya-Museums mit einem internationalen Team archäologisch untersucht. Seit 2021 laufen die Arbeiten als staatlich genehmigte Präsidialgrabung weiter.
Die diesjährigen Untersuchungen werden unter anderem vom türkischen Kultur- und Tourismusministerium, der Universität Ankara, der Provinzverwaltung Çanakkale sowie privaten Unternehmen unterstützt.
Die Forscher hoffen, dass die DNA-Analysen der 86.000 Jahre alten Höhle neue Puzzleteile zur Geschichte der frühen Menschen in Anatolien liefern.