Sensationsfund in der Türkei: Archäologen entdecken Kirche des ersten Konzils von Nicäa

17.07.2026 – 12:00 Uhr

İznik/Bursa – Eine der bedeutendsten Stätten der christlichen Geschichte könnte nun endgültig identifiziert sein: Archäologen haben im türkischen İznik (antikes Nicäa) Überreste einer Kirche freigelegt, die mit dem Ersten Konzil von Nicäa im Jahr 325 n. Chr. in Verbindung gebracht wird.

Bei den Ausgrabungen entdeckten Forscher Mauerreste, Bodenpflaster und eine Säulenbasis unter den Ruinen der später errichteten Uferbasilika. Die Funde gelten als bislang stärkster archäologischer Hinweis darauf, dass sich an dieser Stelle die Kirche des Heiligen Neophytos befand – jene bescheidene Kirche, in der das erste ökumenische Konzil der Christenheit abgehalten worden sein soll.

Die Ausgrabungen laufen seit 2015 unter der Leitung von Professor Mustafa Şahin, Leiter der Archäologieabteilung der Bursa Uludağ Universität. Das Projekt wird vom türkischen Kultur- und Tourismusministerium genehmigt und von der Stadtverwaltung Bursa unterstützt. In diesem Jahr beteiligen sich auch Wissenschaftler der italienischen Universität Kalabrien sowie der Magna Graecia Universität Catanzaro an den Forschungen.

„Ein entscheidender archäologischer Beweis“

Nach Angaben von Şahin wollten die Forscher zunächst klären, ob ein bereits früher entdeckter Bodenbelag über die Grenzen der späteren Kirche hinausreicht. Eine neue Grabungsstelle östlich des Gebäudes brachte innerhalb einer Woche die entscheidende Erkenntnis: Der Boden setzte sich außerhalb der bestehenden Mauern fort.

Damit sei bewiesen, dass die spätere Kirche auf einem älteren Bauwerk errichtet wurde. „Das Gebäude, dessen Fundamente und Boden wir in diesem Jahr freigelegt haben, kann nun mit großer Sicherheit als Kirche des Heiligen Neophytos identifiziert werden“, erklärte Şahin.

Die ursprüngliche Kirche wurde vermutlich beim Erdbeben von 368 n. Chr. zerstört. Nach 380 entstand an gleicher Stelle die sogenannte Kirche der Heiligen Väter, die an die Bischöfe erinnerte, die am Konzil von Nicäa teilgenommen hatten.

Verbindung zu historischen Berichten

Die Entdeckung passt zu den Schriften des Kirchenhistorikers Eusebius von Caesarea, der am Konzil teilnahm. In seinem Werk „Vita Constantini“ beschrieb er den Versammlungsort als eine kleine und unscheinbare Kirche, die dennoch eine große Zahl von Bischöfen aufnehmen konnte.

Neben den architektonischen Überresten fanden die Archäologen auch weitere historische Zeugnisse: einen Goldring mit einem Palmen- und Schwertmotiv sowie einen Fingerhut, der Ähnlichkeiten mit Objekten aus der Zeit der Umayyaden und Abbasiden aufweist.

Diese Funde könnten neue Erkenntnisse über die Geschichte des Ortes nach der byzantinischen Epoche liefern. Historische Quellen berichten, dass arabische Umayyaden-Truppen im Jahr 729 erfolglos versuchten, das strategisch wichtige İznik einzunehmen.

Heiliger Ort der Christenheit

Weitere Untersuchungen konzentrieren sich auf das Mittelschiff der Basilika, wo bereits acht Gräber entdeckt wurden. Münzfunde aus der Regierungszeit der römischen Kaiser Valens und Valentinian halfen zuvor dabei, die Errichtung der späteren Kirche auf etwa 380 n. Chr. zu datieren.

Die Forscher hoffen, mit den aktuellen Arbeiten weitere Details über die Entwicklung dieses außergewöhnlichen Ortes zu entschlüsseln – einem Schauplatz, der vor fast 1.700 Jahren die Geschichte des Christentums entscheidend prägte.