Ein violettes Meer, so weit das Auge reicht, und ein Duft, der die Hektik der 16-Millionen-Stadt vergessen lässt. Die gigantischen Lavendelfelder im Bezirk Süleymanpaşa entwickeln sich in diesem Sommer zum Ausflugsziel Nummer eins für gestresste Großstädter. Was in der nordwesttürkischen Provinz Tekirdağ blüht, ist längst mehr als nur eine landwirtschaftliche Nutzfläche – es ist das Epizentrum eines neuen Reisetrends, den Beobachter als „Purple Tourism“ bezeichnen.
Die Saison, die im Frühsommer beginnt, verwandelt die Region in einen Magneten für Naturliebhaber, Hobbyfotografen und vor allem für Tagesausflügler aus der nahen Metropole Istanbul. Sie schlendern durch die knietiefen, lila leuchtenden Pflanzenreihen, posieren für das perfekte Bild vor der malerischen Kulisse und atmen die ätherischen Öle der Blüten ein. Der optische Rausch bietet eine willkommene Flucht aus dem Häusermeer und dem Verkehrslärm der nur eine überschaubare Autofahrt entfernten Großstadt.
„Der Andrang ist in dieser Saison außergewöhnlich stark. Die Besucher kommen in Scharen, insbesondere aus Istanbul“, berichtet Kamil Turgut, einer der Betreiber der Anlagen. Turgut beschreibt ein intensives, aber zeitlich streng begrenztes Phänomen: „Die Gäste reisen hochzufrieden wieder ab. Dieses Schauspiel hält etwa 45 bis 50 Tage an, bis Ende Juli. Danach beginnt die Ernte und wir gewinnen aus dem Lavendel das Öl.“
Damit vereint der Ort geschickt visuelle Faszination mit handfester Agrarwirtschaft. Neben dem touristischen Spektakel sichert der Anbau die Produktion von ätherischen Ölen und weiteren Produkten und gibt der ländlichen Region eine zusätzliche wirtschaftliche Perspektive.
Solange die violette Blütenpracht noch bis in die letzten Julitage anhält, rechnen die Betreiber mit Tausenden weiteren Besuchern. Der Ansturm zementiert Tekirdağs wachsenden Ruf als unkomplizierte Sommerfrische und beweist, dass man für eine spektakuläre Naturkulisse nicht immer in die Ferne reisen muss.