Immer mehr Quallen im Marmarameer: Experte warnt vor Folgen für Badegäste

Bilder: DHA
16.08.2026 – 8:00 Uhr

TEKİRDAĞ – Im Marmarameer nimmt die Zahl brauner und weißer Quallen seit Jahren deutlich zu. Besonders an den Küsten von Tekirdağ, Istanbul, Çanakkale und Balıkesir treten die Tiere inzwischen in großer Zahl auf und sorgen an einigen Stränden für Probleme bei Urlaubern.

 

 

Dr. Çetin Yağcılar, Meeresbiologe und Dozent an der Namık-Kemal-Universität in Tekirdağ, erklärt die Entwicklung unter anderem mit den steigenden Wassertemperaturen. Die braunen Quallen, die in der Türkei häufig „Kompassquallen“ genannt werden, und die weißen sogenannten Mondquallen hätten im Marmarameer geeignete Lebensbedingungen gefunden. Ihre Bestände seien insbesondere in den vergangenen drei Jahren stark gewachsen.

Klimawandel und Überfischung als Ursachen

Nach Einschätzung Yağcılar sind mehrere Faktoren für die starke Vermehrung verantwortlich. Dazu gehören die Erwärmung des Meerwassers infolge des Klimawandels, aber auch Nährstoffeinträge aus Haushalts- und Industrieabwässern. Stickstoff und Phosphate können das Wachstum der Quallen begünstigen.

Hinzu kommt die Überfischung. Dadurch gehen Raubfischarten zurück, die sich unter anderem von Quallen ernähren. Besonders die starke Befischung von Makrelen könne dazu beitragen, dass natürliche Fressfeinde der Quallen fehlen.

„Dadurch kann das natürliche Gleichgewicht des Ökosystems gestört werden“, erklärte Yağcılar.

Kontakt kann Hautreizungen verursachen

Für Badegäste kann die zunehmende Zahl der Quallen unangenehme Folgen haben. Der Kontakt mit den Tieren könne Brennen, Rötungen und Juckreiz verursachen. Bei manchen Menschen seien auch allergische Reaktionen möglich.

Nach einem Kontakt sollte die betroffene Hautstelle zunächst mit Meerwasser abgespült und anschließend eine medizinische Einrichtung aufgesucht werden.

Experte fordert weniger Überfischung und bessere Abwasserreinigung

Um die weitere Ausbreitung einzudämmen, müsse insbesondere die Überfischung räuberischer Fischarten reduziert werden, fordert Yağcılar. Arten wie Makrelen sollten sich ausreichend vermehren können, damit sie ihre Rolle im Ökosystem weiterhin erfüllen und zur Kontrolle der Quallenbestände beitragen können.

Auch die Einleitung von Haushalts- und Industrieabwässern müsse stärker kontrolliert werden. Da das Marmarameer ein weitgehend geschlossenes Binnenmeer ist, könnten eingetragene Schad- und Nährstoffe das Gebiet nur schwer verlassen.

Yağcılar plädiert deshalb für leistungsfähigere Kläranlagen und strengere Kontrollen bei der Abwasserbehandlung, um insbesondere den Eintrag von Stickstoff und Phosphor ins Meer zu reduzieren.

Die Quallen seien bereits vor rund zehn bis 15 Jahren vermutlich durch Ballastwasser von Schiffen ins Marmarameer gelangt. Inzwischen finden sie dort nach Einschätzung des Experten Bedingungen vor, unter denen sie sich zunehmend stark vermehren können.