Geisternetze als lautlose Killer – Großaktion vor türkischen Küsten verhindert Fisch-Massensterben

Bilder: DHA
27.04.2026 – 12:00 Uhr

Antalya – Unsichtbare Fallen im Wasser werden zur tödlichen Gefahr: Sogenannte „Geisternetze“, also verlorene oder absichtlich zurückgelassene Fischereigeräte, bedrohen Meeres- und Süßwasserökosysteme massiv. Doch ein groß angelegtes Reinigungsprojekt zeigt Wirkung: Allein im vergangenen Jahr konnten rund 1,5 Millionen Wasserlebewesen vor dem Tod bewahrt werden.

Das bereits 2014 gestartete Projekt zur „Reinigung der Meere von aufgegebenen Fanggeräten“ hat seitdem enorme Fortschritte erzielt. Insgesamt wurden bislang etwa 805 Millionen Quadratmeter Wasserfläche durchsucht. In elf Jahren konnten dabei rund 3 Millionen Quadratmeter Geisternetze aus Gewässern entfernt werden – und damit das Sterben von etwa 10 Millionen Meerestieren verhindert werden.

Rekordzahlen im vergangenen Jahr

Nach Angaben des türkischen Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft wurden allein im letzten Jahr 438 Millionen Quadratmeter Wasserfläche kontrolliert. Dabei bargen Einsatzteams rund 416.000 Quadratmeter Geisternetze sowie über 32.000 einzelne Fanggeräte. Der Effekt ist erheblich: Etwa 1.448.000 Wasserlebewesen konnten so gerettet werden.

Millionen Jungfische für stabile Bestände

Parallel dazu setzt die Regierung auf Wiederbesatz: Im Rahmen eines Fischzuchtprogramms wurden 83,7 Millionen Jungfische in Meere und Binnengewässer ausgesetzt. Ziel ist es, ökologisch und wirtschaftlich wichtige Arten zu stärken und die Bestände langfristig zu sichern.

Strenge Kontrollen und harte Maßnahmen

Zum Schutz der Gewässer wurden im Jahr 2025 über 207.000 Kontrollen durchgeführt. Dabei beschlagnahmten Behörden 550 Tonnen Fischereiprodukte, knapp 2.400 Fanggeräte sowie 84 Fischereiboote.

Kampf gegen invasive Arten

Ein weiteres Problem stellt der invasive Kugelfisch dar. Um dessen Ausbreitung einzudämmen, wurden 2025 Prämien für den Fang von insgesamt 291.547 Tieren gezahlt. Seit Einführung der Maßnahme im Jahr 2020 konnte so verhindert werden, dass rund 50 Millionen dieser Fische das Ökosystem weiter belasten.

Die Zahlen zeigen: Der Einsatz gegen Geisternetze und andere Gefahren für die Gewässer trägt Früchte – doch der Kampf für gesunde Meere ist noch lange nicht gewonnen.