Algenblüte im Marmarameer weckt neue Sorgen vor möglicher Schleimkrise

Bild: DHA
20.06.2026 – 8:00 Uhr

Im Marmarameer ist es zu einer verstärkten Algenblüte gekommen, die nach Einschätzung von Fachleuten ein mögliches Frühwarnsignal für eine erneute Schleimbildung sein könnte. Besonders im Golf von Gemlik wurden Farbveränderungen an der Meeresoberfläche beobachtet, die bei Anwohnern für Verunsicherung sorgten.

Nach Angaben von Doç. Dr. Efsun Dindar, Lehrstuhlinhaberin an der Fakultät für Umwelttechnik der Universität Bursa Uludağ, handelt es sich bei dem Phänomen um eine sogenannte Phytoplankton- oder Algenblüte. Diese tritt zwar regelmäßig in den Frühlingsmonaten auf, könne jedoch bei erhöhter Nährstoffbelastung des Meeres außer Kontrolle geraten.

Doç. Dr. Efsun Dindar erklärte, dass insbesondere Einträge von Stickstoff und Phosphor aus kommunalen Abwässern sowie aus der Landwirtschaft zur starken Vermehrung von Mikroorganismen führen. Diese Entwicklung könne das ökologische Gleichgewicht im Marmarameer beeinträchtigen.

Zwar sei eine Algenblüte zunächst ein natürlicher Prozess, betonte Doç. Dr. Efsun Dindar, doch könne sie unter bestimmten Bedingungen zur Bildung von sogenanntem Meeresschleim (Müsilaj) beitragen. Dieser entstehe vor allem bei warmen, ruhigen Wasserverhältnissen und könne sowohl in tieferen Wasserschichten als auch an der Oberfläche auftreten.

Aktuell sei an der Oberfläche kein akuter Schleim sichtbar. Dies bedeute jedoch nicht, dass keine Gefahr bestehe, so Doç. Dr. Efsun Dindar weiter. Die bestehende Nährstoffbelastung könne bei steigenden Wassertemperaturen erneut zu problematischen Entwicklungen führen.

Auch Vertreter der örtlichen Fischereigenossenschaft betonten, dass es sich derzeit nicht um eine akute Müsilaj-Situation handle, sondern um ein saisonales Phänomen, das in den Frühlings- und Frühsommermonaten regelmäßig beobachtet werde.

Fachleute warnen jedoch, dass die anhaltend hohe Belastung des Marmarameeres mit Nährstoffen langfristig das Risiko einer erneuten Schleimbildung erhöhen könnte.