Die traditionellen türkischen Bäder, die Hamams, entwickeln sich zunehmend zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für Istanbul. Wie Branchenvertreter mitteilten, sorgen insbesondere im Winter steigende Besucherzahlen, angetrieben von ausländischen Touristen und der einheimischen Jugend, für eine Belebung des lokalen Gewerbes.
Tahsin Kalyon, der Vorsitzende der Istanbuler Kammer der Hamam-, öffentlichen Bäder-, Thermal-, Sauna- und Massagesalon-Betreiber, bestätigte einen starken saisonalen Effekt. In den kälteren Monaten verzeichne die Branche einen Besucheranstieg von 60 bis 70 Prozent. Viele Gäste suchten Linderung bei Erkältungen, Muskelverspannungen oder Müdigkeit.
Laut Kalyon üben sowohl historische als auch modernisierte Hamams eine wachsende Anziehungskraft aus. Besonders die klassischen Rituale, wie das Peeling mit dem „Kese“-Handschuh, die Schaummassage und der Aufenthalt auf dem erhitzten Marmorblock („Göbek Taşı“), weckten bei internationalen Gästen sowie bei der jüngeren Generation in der Türkei großes Interesse.
„Diese Neugier schlägt sich direkt in wirtschaftlichem Wert für die Stadt und das Land nieder“, so Kalyon. Neben der gestiegenen Zahl der Touristen insgesamt seien es vor allem Gäste aus Griechenland, den Niederlanden, China und Deutschland, die die Nachfrage antreiben. Chinesische Touristen kehrten aufgrund der Faszination für die Reinigungsrituale und das sinnliche Erlebnis besonders häufig zurück.
Die Branche ist auch ein bedeutender Arbeitgeber: Schätzungsweise 15.000 bis 20.000 Menschen sind in Istanbuls etwa 45 bis 50 historischen sowie 100 bis 150 modernen Hamams und Hotelbädern beschäftigt.
Reşat Turunç, Betreiber eines historischen Hamams im Istanbuler Stadtteil Fatih, betonte den Doppeleffekt aus Kulturerbe und Wirtschaftsfaktor. Sein Bad, das im Namen der Tochter von Süleyman dem Prächtigen erbaut wurde, beschäftigt 45 Mitarbeiter und ist im Winter voll ausgelastet. Im Vergleich zum Sommer haben sich die Besucherzahlen verdoppelt.
Der langjährige Hamam-Mitarbeiter Mehmet Yılmaz (45 Berufsjahre) sieht in diesem Phänomen einen Beleg für die ungebrochene globale Anziehungskraft der lebendigen Badekultur. Auch in der Moderne bleibe das Hamam damit ein wärmender Wirtschaftsmotor für die Stadt am Bosporus, so der Tenor der Branche.