Die Luft in der Metropole am Bosporus wird immer schlechter. Laut einer aktuellen Studie der Technischen Universität Istanbul (ITÜ) ist die Belastung mit Stickstoffdioxid (NO₂) im Februar des laufenden Jahres im Vergleich zum Vorjahresmonat um etwa neun Prozent gestiegen. Besonders besorgniserregend sind die Werte in einigen zentralen Bezirken, wo die Schadstoffkonzentration teils explosionsartig zugenommen hat.
Für die Untersuchung wertete Professor Hüseyin Toros vom Institut für Klimawissenschaften und Meteorologie Daten von 17 vom Umweltministerium und der Stadtverwaltung betriebenen Messstationen in der Stadt aus. Während der durchschnittliche NO₂-Wert im Februar 2025 noch bei 40,4 Mikrogramm pro Kubikmeter lag, stieg er im gleichen Zeitraum dieses Jahres auf 44,1 Mikrogramm pro Kubikmeter an.
Die Messergebnisse offenbaren gravierende lokale Unterschiede. Am stärksten belastet war der Stadtteil Beşiktaş. Hier wurde eine mittlere Konzentration von 73,5 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Es folgten Aksaray mit 62 µg/m³ und Yenibosna mit 56,6 µg/m³. Zum Vergleich: Der EU-Grenzwert für den Jahresmittelwert liegt bei 40 µg/m³, für kürzere Zeiträume gelten jedoch strengere Richtwerte, da Spitzenbelastungen besonders gesundheitsschädlich sind. Die geringste Belastung wurde an der Station in Beylikdüzü mit 16,1 µg/m³ gemessen.
Während in sieben der untersuchten Stadtteile ein Rückgang der Werte zu verzeichnen war, stieg die Belastung an zehn Stationen teils drastisch an. Den stärksten Anstieg verzeichnete Çatladıkapı mit 94 Prozent. Auch in Sarıyer schnellten die Werte um 77 Prozent nach oben. Den größten Rückgang gab es hingegen in Aksaray mit minus 16 Prozent, gefolgt von Sancaktepe, Selimiye und Bağcılar mit jeweils etwa minus 8 Prozent.
Trotz des deutlichen Anstiegs sieht Studienleiter Toros den menschlichen Einfluss nicht als alleinige Ursache. Zwar seien Verkehr, Industrie und Heizungen die Hauptverursacher von Luftschadstoffen, jedoch habe es im Februar keine signifikanten Veränderungen in diesen Bereichen gegeben. Er macht stattdessen die Wetterlage für die schlechte Luft verantwortlich: „Wenn ein Hochdruckgebiet vorherrscht, können sich die Schadstoffe nicht verteilen und sammeln sich über der Stadt an”, erklärte Toros. Bei Tiefdruckgebieten hingegen würden Wind und Regen die Luft reinigen. Die Meteorologie spiele somit eine Schlüsselrolle bei der Luftqualität.
Toros warnte eindringlich vor den gesundheitlichen Folgen. Ein Erwachsener atmet täglich zwischen zehn und 15 Kilogramm Luft ein. Eine hohe Schadstoffbelastung wirkt sich daher direkt auf die Atemwege sowie das Herz-Kreislauf- und Nervensystem aus. Neben den gesundheitlichen Risiken für die Bevölkerung verursacht die schlechte Luftqualität auch volkswirtschaftliche Kosten, etwa durch Produktivitätsausfälle und höhere Ausgaben im Gesundheitswesen.