Istanbul – Vor der stark industrialisierten Küste von Istanbul ist ein bemerkenswertes marines Ökosystem entdeckt worden. Wissenschaftler fanden vor dem Stadtteil Tuzla gesunde Bestände der stark gefährdeten Steckmuschel Pinna nobilis inmitten von Seegraswiesen – ein unerwarteter Fund in einer der am stärksten belasteten Regionen des Marmarameer.
Die Entdeckung gelang bei Tauchgängen im Rahmen von Schutzprojekten. In einem nur 50 bis 100 Quadratmeter großen Seegrasgebiet nahe eines Piers fanden Forscher sowohl junge als auch ausgewachsene Exemplare – ein Hinweis auf ein aktives, sich fortpflanzendes Ökosystem.
Die im Mittelmeer heimische Steckmuschel zählt zu den größten Muschelarten der Welt und kann bis zu 120 Zentimeter groß und rund 50 Jahre alt werden. Sie spielt eine wichtige Rolle im Ökosystem, da sie große Mengen Meerwasser filtert und so zur Verbesserung der Wasserqualität beiträgt.
Zwischen 2016 und 2019 waren die Bestände im Mittelmeerraum durch einen Parasiten nahezu zusammengebrochen. Heute gilt das Marmarameer als eines der letzten Rückzugsgebiete der Art.
Fachleute sehen in dem Fund ein wichtiges Signal: Trotz starker Umweltbelastungen könnten sich stabile Lebensräume erhalten. Gleichzeitig warnen sie vor anhaltenden Gefahren durch Verschmutzung, Küstenbebauung, Fischerei und Tourismus.
Das Gebiet vor Tuzla soll nun dauerhaft überwacht werden. Geplant sind regelmäßige Tauchgänge sowie die Erfassung von Umweltdaten wie Wassertemperatur, Salzgehalt und Lichtverhältnissen, um die Entwicklung des empfindlichen Ökosystems genau zu verfolgen.