Seltene Meeresbewohner vor Istanbuls Prinzeninseln gesichtet

31.08.2026 – 7:00 Uhr

Istanbul – Taucher haben vor den Prinzeninseln bei Istanbul erneut seltene Meeresbewohner entdeckt. Unter anderem wurden Glatthaie und Winkel-Rauhaie gesichtet. Die Beobachtungen geben Einblicke in ein vielfältiges und lebendiges Unterwasserökosystem im Marmarameer, das trotz erheblicher Umweltbelastungen weiterhin eine große Artenvielfalt aufweist.

Bei Tauchgängen an verschiedenen Stellen rund um die Prinzeninseln, darunter Viranbağlar, Yelkenkaya, Kurşun Burnu, Sivri Ada, Kalpazankaya, Hastane Altı, Terk-i Dünya und At Mezarlığı, konnten die Taucher zahlreiche Meeresbewohner beobachten.

Am Tauchplatz At Mezarlığı südlich von Büyükada und gegenüber der Insel Sedef stießen die Taucher auf große Pferdeknochen, zwischen denen sich weiterhin zahlreiche Meerestiere bewegten, berichtete Tauchlehrer Mehmet Karail.

Bei einem einzigen Nachttauchgang entdeckten die Taucher einen etwa 60 Zentimeter langen Glatthai sowie drei Petersfische. Karail zeigte sich erfreut über die Beobachtungen, da einige der gesichteten Arten in den vergangenen Jahren nur noch selten anzutreffen gewesen seien. Hummer und Kraken würden die Taucher dagegen regelmäßig beobachten.

Bemerkenswerte Artenvielfalt

Die Region verfügt über eine große biologische Vielfalt. Aufnahmen der Taucher zeigen unter anderem Seesterne, Schwimmkrabben, Seenadeln, Seehasen, Schleimfische, Drachenköpfe, Grundeln, Einsiedlerkrebse, Knurrhähne, Rotlippengrundeln, Pfauenfederwürmer, Warzenkrabben, Seefedern, Seeanemonen, Felsenbarsche, Stachelrochen, Korallen, Tintenfische, Lippfische, Steckmuscheln, Plattfische, Petermännchen, Seegurken, Rochen, grüne Anemonen, Haarsterne und Schwämme.

Auch Skorpionsfische mit Eiern wurden gesichtet. Die Beobachtungen von Weibchen, die Eier tragen, deuten darauf hin, dass die Fortpflanzungszyklen der Arten weiterhin stattfinden.

Nach Angaben Karails bietet das Marmarameer aufgrund des Zusammentreffens von Wassermassen aus dem Mittelmeer, der Ägäis und dem Schwarzen Meer Lebensräume in unterschiedlichen Tiefen. Dadurch habe sich eine vielfältige Unterwasserwelt entwickelt.

Menschlicher Einfluss bedroht das Ökosystem

Trotz dieser Artenvielfalt steht das Ökosystem unter erheblichem Druck. Vor allem intensive Fischerei und die Einleitung von Abfällen aus den Städten stellen eine Gefahr für die Meeresumwelt dar.

Karail warnte vor den langfristigen Folgen der Verschmutzung. „Wir wollen unseren Kindern und Enkelkindern nicht sagen müssen: ‚Hier war einmal ein Meer‘“, sagte er und forderte die Bevölkerung auf, die Gewässer nicht weiter zu verschmutzen.

Das Marmarameer ist ein vollständig innerhalb der Türkei gelegenes Binnenmeer und verbindet das Schwarze Meer mit der Ägäis. Aufgrund seiner Lage treffen dort unterschiedliche Wassermassen aufeinander und schaffen verschiedene Lebensräume für Meeresorganismen.

In den vergangenen Jahren war das Marmarameer allerdings mit erheblichen ökologischen Problemen konfrontiert. Besonders deutlich wurde dies im Jahr 2021, als sich große Mengen sogenannten Meeresschleims auf der Wasseroberfläche und unter Wasser ausbreiteten.

Der massive Ausbruch wurde unter anderem durch landwirtschaftliche Einträge und unbehandeltes Abwasser begünstigt. Die Verschmutzung beeinträchtigte weite Teile des Meeres und löste eine breite Debatte über den Schutz des Marmarameers aus.

Die aktuellen Beobachtungen vor den Prinzeninseln zeigen, dass die Unterwasserwelt trotz dieser Belastungen weiterhin bemerkenswert vielfältig ist. Für die Taucher sind die wiederkehrenden Sichtungen seltener Arten zugleich ein Zeichen dafür, dass das Ökosystem weiterhin über eine gewisse Widerstandsfähigkeit verfügt – und ein weiterer Hinweis darauf, wie wichtig der Schutz des Marmarameers ist.