Sechstes Istanbul Digital Art Festival rückt Mensch-Maschine-Verhältnis in den Fokus

01.06.2026 – 9:00 Uhr

Wenn Pflanzen miteinander sprechen und Gedanken zu Gärten werden: Vom 3. bis 7. Juni öffnet das sechste Istanbul Digital Art Festival (IDAF) seine Pforten und macht die türkische Metropole erneut zum Schauplatz für die Schnittstellen von Kunst, Robotik und Ökologie. Das Festival wirft einen nüchternen Blick auf die zunehmende Verschmelzung menschlicher Wahrnehmung mit künstlichen Systemen.

Im Zentrum des diesjährigen Programms steht nicht die reine Technikdemonstration, sondern die kritische Auseinandersetzung mit ökologischen Krisen und der fragilen Beziehung zwischen Biologie und Maschine. Eine der zentralen Installationen, „Mental Garden”, übersetzt die Hirnströme der Besucher:innen in eine sich ständig wandelnde, digitale Blumenlandschaft. Einen Schritt weiter geht die interaktive Umgebung „SYMBIONT”, die die Grenzen zwischen Betrachter und Kunstwerk auflösen soll, um die gegenseitige Abhängigkeit von Mensch und Maschine zu thematisieren.

Auch die Ökobilanz der Digitalisierung wird greifbar gemacht. So visualisiert die immersive Arbeit „Computational Compost” den enormen Energieverbrauch und Müll von Rechenzentren, während eine andere Installation das Schmelzen des Brenva-Gletschers simuliert und den Klimakollaps in ein körperlich erfahrbares Szenario übersetzt.

Neben diesen düsteren Prognosen setzen einige Werke auf überraschende Formen der Kommunikation. So erzeugt Seedlings ein biosonisches Netzwerk, das Pflanzen mittels unterirdischer Lautsprecher und mikrotonaler Klänge verbindet. In Planatorium tritt die Maschine als Gärtner auf – ein mechanisches System, das pflanzliches Leben am Leben erhält und somit den technologischen Eingriff in die Natur hinterfragt.

Das Spektrum der gezeigten Genres ist breit gefächert. In der Arbeit „Neural Nectar” werden Robotik, künstliche Intelligenz und Bienenwachs-Skulpturen kombiniert, um durch die Metapher der Imkerei Kognition neu zu interpretieren. Mit der Reproduktion von Bewusstsein im digitalen Zeitalter beschäftigt sich d.memo, wobei hyperrealistische Skulpturen und Animatronik zum Einsatz kommen, die an die Ästhetik des REM-Schlafs angelehnt sind.

Neben holografischen Umgebungen und spekulativen KI-Strukturen in Werken wie „The Pond” oder „T.A.H.I.R.A – 108” erweitert das Festival das digitale Erlebnis um kulinarische Aspekte. Die Virtual-Reality-Erfahrung „Journey of Spice | 5 Sense VR” von GastroDigital schickt die Teilnehmenden auf eine multisensorische Reise entlang der historischen Gewürzrouten Anatoliens. In ihrer Live-Performance SpaceTime Helix erkundet die Künstlerin Michela Pelusio indes die Verbindungen zwischen Physik, Vibration und Kosmologie.