Der berühmte Topkapı-Palast in Istanbul hat nach einer umfangreichen Restaurierung neue Bereiche seines historischen Harems für Besucher geöffnet. Damit erhalten Touristen erstmals tiefere Einblicke in einen Teil des Osmanischen Palastes, der über Jahrhunderte weitgehend verborgen blieb.
Die nun zugänglichen Räume wurden von der Generaldirektion der Nationalpaläste im Rahmen eines sechsjährigen Projekts restauriert. Ziel der Arbeiten war es, die historische Struktur zu bewahren und gleichzeitig ein realistischeres Bild des Haremslebens im Osmanischen Reich zu vermitteln.
Der neu eröffnete Bereich umfasst unter anderem die Wohnräume der Sultansgemahlinnen, die Quartiere der Hofdamen sowie funktionale Räume wie Küche, Waschküche, Vorratskammer, Bad, Kaffeezubereitungsraum und weitere Diensträume.
Der Harem war nicht nur ein abgeschotteter Wohnbereich, sondern auch ein streng organisiertes soziales System innerhalb des Palastes. Frauen lebten dort unter der Aufsicht der Valide Sultan (Sultansmutter), erhielten Unterricht in Musik, Sprachen, Kunst, Etikette und Haushaltsführung und übernahmen wichtige Aufgaben im Palastbetrieb.
Die Architektur des Komplexes spiegelt diese Struktur wider: enge Gänge, kleine Räume und Innenhöfe dienten sowohl der Privatsphäre als auch der Kontrolle innerhalb des Palastlebens. Besonders hervorgehoben wird, dass die heutige Struktur nach einem großen Brand im späten 17. Jahrhundert neu organisiert wurde.
Laut der Verwaltung der Nationalpaläste enthält der Bereich zahlreiche Beispiele osmanischer Kunst, darunter İznik-Kacheln, Buntglasfenster und dekorative Wandmalereien. Insgesamt wurden rund 750 historische Objekte, Textilien und Dekorationsstücke restauriert und in die Ausstellung integriert.
Die neu zugänglichen Räume verlängern den Besuchsweg im Harem um etwa 20 Minuten und können ohne zusätzliche Eintrittsgebühr besichtigt werden. Der Topkapı-Palast ist täglich geöffnet, außer dienstags.