Museums-Blamage in Istanbul: TV-Requisite als osmanisches Artefakt ausgestellt

30.03.2026 – 12:00 Uhr

Ein kurioser Fall sorgt in Istanbul für Aufsehen: Eine hölzerne Requisite aus einer türkischen Kinderfernsehserie ist offiziell als „historisches Artefakt“ registriert und in ein bedeutendes Museum überführt worden – und das, obwohl sie erst wenige Jahre alt ist.

Bei dem Objekt handelt es sich um ein Requisit aus der 2019 produzierten Serie „Tozkoparan İskender“, einer populären, historisch angehauchten Kindersendung. Zwei Experten hatten das Stück offenbar fälschlicherweise als sogenannten „Menzil taşı“ identifiziert – einen osmanischen Distanzstein, der die Schussweite von Bogenschützen markierte – und zur offiziellen Registrierung vorgeschlagen.

Am 26. Februar 2025 bestätigte ein Istanbuler Gremium für Kulturgüter diese Einschätzung und erklärte das Objekt formell zum historischen Fundstück. Anschließend wurde es dem Türkischen Museum für Islamische Kunst in Istanbul zur Konservierung übergeben.

Die Verwirrung wurde noch größer, als sogar ein wissenschaftlicher Artikel erschien, der das Objekt als „ersten und einzigen Reichweitenstein von Tozkoparan“ beschrieb.

Erst später bemerkten Museumsmitarbeiter Unstimmigkeiten bei Herkunft und Echtheit. Inzwischen wird ein Bericht vorbereitet, der klarstellt, dass es sich nicht um ein historisches Artefakt handelt. Dennoch ist die ursprüngliche Entscheidung bislang nicht offiziell zurückgenommen worden.

Für Verwunderung sorgt der Fall auch bei Beteiligten der Serie selbst. Professor Şükrü Seçkin Anık, der die Produktion damals wissenschaftlich beriet, zeigte sich überrascht: Er habe selbst an der Gestaltung der Requisite mitgewirkt und könne nicht nachvollziehen, wie diese mit einem echten osmanischen Distanzstein verwechselt werden konnte.

Zudem wies er darauf hin, dass originale „Menzil taşları“ üblicherweise aus Marmor bestehen – im Gegensatz zur hölzernen Serienrequisite, die sogar deutlich in einer Folge der Serie zu sehen sei.

Anık betonte zwar, dass Fehler in der Wissenschaft vorkommen können, sieht die Hauptverantwortung jedoch bei den zuständigen Behörden. Solche Vorfälle könnten das Vertrauen in den Schutz und die Bewertung von Kulturgütern nachhaltig beschädigen.