In Istanbul explodieren die Parkgebühren: Was einst als lästige Nebenkosten galt, entwickelt sich zunehmend zu einer finanziellen Belastung auf Mietniveau. Aufgrund akuten Parkplatzmangels und kaum regulierter Preise privater Parkhausbetreiber erreichen die Gebühren in einigen Stadtteilen historische Höchststände.
Stundenpreise von bis zu 800 Lira
Nach Berichten lokaler Medien verlangen private Parkhäuser in stark frequentierten Vierteln inzwischen bis zu 800 Türkische Lira (ca. 15 Euro) pro Stunde. Für größere Fahrzeuge wie Kleinbusse können sich die Kosten für nur drei Stunden Parken sogar auf über 1.100 Lira belaufen.
Der Hauptgrund für diese Entwicklung ist der chronische Mangel an öffentlichen Stellplätzen. Städtische Parkflächen sind begrenzt, weshalb viele Autofahrer auf private Anbieter ausweichen müssen – mit Preisen, die je nach Lage und Nachfrage stark variieren.
Besonders betroffen: Zentrale Lagen
In zentralen und stark frequentierten Gebieten wie dem historischen Stadtteil Fatih oder im beliebten Küstenviertel Kadıköy beginnen die städtischen Parkgebühren bei rund 200 Lira pro Stunde.
Private Parkhäuser verlangen dort meist zwischen 400 und 800 Lira pro Stunde – Tendenz steigend.
Monatsgebühren auf Mietniveau
Noch drastischer zeigt sich die Entwicklung bei den Monatsabonnements. Im Viertel Laleli kostet ein Stellplatz für einen Pkw in einer privaten Garage mittlerweile rund 29.000 Lira pro Monat, für Kleinbusse sogar etwa 40.000 Lira. In gehobenen Wohngegenden sollen die Preise Berichten zufolge bis zu 50.000 Lira monatlich erreichen – Beträge, die mit Wohnungsmieten konkurrieren.
Verbraucherschützer fordern Preisobergrenzen
Der Vorsitzende eines türkischen Verbraucherverbandes, Aydın Ağaoğlu, erklärte gegenüber dem Sender Habertürk, dass dringend eine gesetzliche Preisobergrenze für private Parkgebühren eingeführt werden müsse.
Er rief Betroffene dazu auf, überhöhte Preise bei den zuständigen Kommunen oder beim Handelsministerium zu melden. Dieses habe die Befugnis, übermäßige Preisforderungen zu prüfen und Betreiber zu sanktionieren, sofern Gebühren nicht transparent ausgewiesen oder sachlich nicht gerechtfertigt seien.
Die drastischen Preissteigerungen verdeutlichen die zunehmenden infrastrukturellen Probleme der Millionenmetropole – und stellen viele Autofahrer vor eine schwierige Entscheidung zwischen Mobilität und finanzieller Belastung.