Istanbuls historischer Bezirk Fatih plant „London-ähnliche“ Verkehrsgebühr

13.04.2026 – 14:00 Uhr

ISTANBUL (DHA) – Der historische Istanbuler Stadtteil Fatih prüft die Einführung eines „London-ähnlichen“ Systems zur Staugebühr, um die anhaltenden Verkehrs- und Parkplatzprobleme zu reduzieren.

Der Bürgermeister von Fatih, Ergün Turan, erklärte, dass sich die Bevölkerung des Bezirks tagsüber massiv erhöhe: von rund 350.000 Einwohnern in der Nacht auf bis zu 3 bis 3,5 Millionen Menschen am Tag. Diese Entwicklung führe zu einer starken Belastung der Straßeninfrastruktur.

Fatih liegt auf der historischen Halbinsel Istanbuls und zählt zu den dichtesten sowie touristisch am stärksten frequentierten Gebieten der Stadt. Neben privatem Autoverkehr sorgen auch Lieferverkehr, Touristenbusse und öffentlicher Nahverkehr für eine hohe Verkehrsbelastung.

Laut Turan verkehren täglich rund 285 Buslinien im Bezirk mit etwa 11.000 Fahrten.

Die Stadtverwaltung prüft derzeit ein System, das dem Konzept von Städten wie London oder Stockholm ähnelt. Dabei sollen Fahrzeuge, die in besonders stark belastete Zonen – insbesondere den Bereich Eminönü – einfahren, eine Gebühr über ein elektronisches Mautsystem entrichten. Anwohner sollen dabei bevorzugt behandelt werden.

Ziel sei nicht die Einnahmengenerierung, sondern eine Reduzierung des Verkehrs um bis zu 20 Prozent sowie eine Verringerung der Emissionen und eine stärkere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, so Turan.

Parallel dazu plant die Verwaltung sogenannte „Park-and-Ride“-Lösungen. Besucher sollen ihre Fahrzeuge in großen Parkanlagen am Stadtrand abstellen und anschließend mit öffentlichen Verkehrsmitteln in den Bezirk weiterfahren.

Turan kritisierte, dass kleinere Parkflächen in einem so stark frequentierten Gebiet nicht ausreichten. Stattdessen seien größere Parkzentren im Umkreis von etwa 500 Metern erforderlich.

Zudem wurden zwei große Tiefgaragenprojekte mit einer Gesamtkapazität von rund 5.000 Fahrzeugen vorgeschlagen, die jedoch seit Jahren auf Genehmigung warten.