ISTANBUL – Bei den Restaurierungs- und Verstärkungsarbeiten am historischen Haydarpaşa-Bahnhof in Istanbul sind neue Erkenntnisse über die Fundamente des denkmalgeschützten Gebäudes ans Licht gekommen. Von den ursprünglich rund 1.000 Holzpfählen, die beim Bau unter dem Gebäude eingesetzt wurden, konnten nur noch etwa 200 vor Ort nachgewiesen werden. Technische Untersuchungen gehen davon aus, dass rund 80 Prozent der Pfähle im Laufe der Zeit verschwunden sind.
Der türkische Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy teilte die Ergebnisse der Untersuchungen mit. Demnach wurden die ursprünglichen Baupläne des 1909 offiziell eröffneten Bahnhofs ausgewertet und anschließend Georadar-Untersuchungen durchgeführt.
Die historischen Pläne zeigen, dass beim ursprünglichen Bau rund 1.000 Holzpfähle mit einer Länge von acht bis 21 Metern und einem Durchmesser von 50 bis 90 Zentimetern unter dem Fundament eingesetzt worden waren. Bei den Untersuchungen konnten jedoch nur rund 200 dieser Pfähle nachgewiesen werden.

Risiko durch instabilen Untergrund
Neben den Fundamenten wurde auch der Baugrund umfassend untersucht. Dabei stellten die Fachleute fest, dass der Untergrund aus heterogener Aufschüttung und verflüssigungsfähigem Sand besteht und locker sowie wassergesättigt ist. Bei einer sogenannten Bodenverflüssigung könnten sich Teile des Gebäudes setzen oder seitlich bewegen.
Um diese Risiken zu reduzieren, wurden rund um den historischen Bahnhof Bohrpfähle gesetzt. Innerhalb und außerhalb des Gebäudes kamen zudem Verfahren zur Bodenverbesserung zum Einsatz, darunter Verdichtungs- und Polymerinjektionen.
Während der Arbeiten wird das Verhalten des Gebäudes kontinuierlich mit technischen Messgeräten überwacht. Wegen der beengten Arbeitsbedingungen im Keller, der empfindlichen historischen Bausubstanz und der notwendigen Abstimmung mit weiteren Bauarbeiten mussten die Arbeiten teilweise besonders vorsichtig und schrittweise durchgeführt werden.
Neue archäologische Funde verzögern Zeitplan
Auch im angrenzenden Haydarpaşa-Arkeopark wurden bei Arbeiten für Infrastruktur, Entwässerung und Besucherwege neue archäologische Überreste entdeckt. Die Planungen für Leitungen und Besucherwege mussten deshalb angepasst werden, um sowohl bereits bekannte als auch neu entdeckte Funde zu schützen.
Diese zusätzlichen Arbeiten sowie die technische Überarbeitung des Projekts haben den ursprünglichen Zeitplan verändert. Die zunächst geplante Eröffnung des ersten Bauabschnitts zum Beginn des İstanbul-Kulturstraßenfestivals konnte daher nicht eingehalten werden.
Museum, Bibliothek und Ausstellungsräume geplant
Das Restaurierungsprojekt soll das historische Bahnhofsgebäude und das gesamte Haydarpaşa-Areal künftig stärker für Kultur und Kunst öffnen. Vorgesehen sind unter anderem das erste Archäologiemuseum auf der asiatischen Seite Istanbuls, ein Zentrum für darstellende Künste, eine Bibliothek, Ausstellungshallen sowie Kunst- und Designwerkstätten.
Hinzu kommen der Arkeopark, Veranstaltungsflächen unter freiem Himmel und neu gestaltete Außenbereiche.
Minister Ersoy erklärte, oberste Priorität sei es, dieses historische Erbe in seiner Gesamtheit zu bewahren und sicher für kommende Generationen zu erhalten. Der erste Bauabschnitt soll nach Angaben des Ministers im Laufe des Jahres 2027 abgeschlossen und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.