ISTANBUL – Mehr als 170 kleine Erdbeben sind seit dem 18. August im Marmarameer im Bereich der Verwerfung südlich der Prinzeninseln registriert worden. Experten sehen in der Häufung jedoch keinen Hinweis auf ein unmittelbar bevorstehendes schweres Erdbeben.
Das stärkste Beben ereignete sich am 19. August südlich der Prinzeninseln und erreichte eine Magnitude von 3,2. Nach Angaben der türkischen Katastrophenschutzbehörde AFAD konzentrierte sich die seismische Aktivität auf einen begrenzten Abschnitt der Verwerfung.
Bahadır Aktuğ, Mitglied des Erdbebenbeirats von AFAD und Geophysik-Professor an der Universität Ankara, erklärte, die Beben beträfen lediglich rund sieben Kilometer der insgesamt 44 Kilometer langen Verwerfung.
Kein Muster für größeres Beben
Nach Einschätzung Aktuğs zeigen die bisherigen Messungen weder eine Verlagerung der Erdbeben in größere Tiefen noch entlang der Verwerfung. Ein Muster, das auf eine fortschreitende Auslösung größerer Erschütterungen hindeuten könnte, sei nicht erkennbar.
Auch der Erdbebenexperte Şükrü Ersoy warnte vor voreiligen Schlussfolgerungen. Verwerfungen könnten immer wieder Ansammlungen kleiner Erdbeben hervorbringen. Daraus unmittelbar ein bevorstehendes großes Beben abzuleiten, sei spekulativ.
„Die Bevölkerung hat keinen Grund zur Panik“, sagte Ersoy. Entscheidend sei nicht die Frage, wann eine Verwerfung brechen werde, sondern wie gut die Gebäude auf ein mögliches Erdbeben vorbereitet seien.
Hunderte Beben im Messradius
Auch das Kandilli-Observatorium und Erdbebenforschungsinstitut registrierte eine erhöhte Aktivität. Zwischen dem 18. August um 6 Uhr und dem 20. August um 13 Uhr wurden in einem Radius von 20 Kilometern südlich der Prinzeninseln 117 Erdbeben mit Magnituden zwischen 0,7 und 3,1 erfasst.
Kandilli bezeichnete die Aktivität als eine zeitlich und räumlich gebündelte Mikroerdbebenserie. Solche Sequenzen könnten in tektonisch aktiven Regionen immer wieder auftreten.
Das Gebiet wird nach Angaben des Instituts rund um die Uhr überwacht.