Istanbul. Der Dolmabahçe-Palast, eines der bedeutendsten Bauwerke der osmanischen Westorientierung, begeht in diesem Jahr sein 170-jähriges Bestehen. Der am 7. Juni 1856 eröffnete Palast gilt bis heute als Symbol für den Übergang vom Osmanischen Reich zur modernen Türkei.
Der Bau wurde 1843 im Auftrag von Sultan Abdülmecid I. begonnen und 1856 fertiggestellt. Auf einer Fläche von rund 110.000 Quadratmetern am Ufer des Bosporus im Stadtteil Beşiktaş gelegen, entstand der Palast auf einem ehemaligen Naturhafen, der im Laufe der Zeit aufgeschüttet wurde.
Die Anlage umfasst zahlreiche repräsentative und funktionale Bereiche, darunter die Staatsappartements (Mabeyn), den Zeremoniensaal, den Harem des Sultans sowie Nebengebäude wie die Moschee von Bezmialem Valide Sultan, den Uhrturm, die kaiserlichen Stallungen und weitere Verwaltungs- und Lagerbauten.
Laut Angaben der Nationalen Palästeverwaltung spiegelte der Palast sowohl den Einfluss westlicher Kunststile wie Rokoko, Barock und Empire wider als auch traditionelle osmanische Wohn- und Lebensformen. Besonders deutlich wird diese Verbindung im Harem-Bereich, der nach dem Vorbild eines klassischen türkischen Hauses gestaltet ist.
Der Dolmabahçe-Palast war zudem technologisch für seine Zeit fortschrittlich: Eine eigene Gasanlage sorgte für Beleuchtung und Heizung, was den Modernisierungsanspruch des späten Osmanischen Reiches unterstreicht.
Historisch spielte der Palast eine zentrale Rolle sowohl im Osmanischen Reich als auch in der frühen Republik Türkei. Er diente den letzten sechs osmanischen Sultanen sowie dem letzten Kalifen als Residenz und wurde später auch von Staatsgründern der Republik genutzt. Besonders eng verbunden ist der Ort mit Mustafa Kemal Atatürk, der dort zwischen 1927 und 1938 arbeitete und am 10. November 1938 im Palast verstarb.
Heute zählt der Dolmabahçe-Palast zu den wichtigsten kulturellen und historischen Sehenswürdigkeiten Istanbuls. Die Nationalpalästeverwaltung setzt auf Restaurierung, wissenschaftliche Konservierung sowie digitale Angebote wie Audioguides, um Besuchern einen modernen Zugang zum historischen Erbe zu ermöglichen.