60.000 Besucher täglich: Istanbuls Gewürzbasar boomt wie vor 400 Jahren

21.06.2026 – 12:00 Uhr

Der historische Gewürzbasar in Istanbul bleibt auch fast 400 Jahre nach seiner Gründung eines der wichtigsten Wahrzeichen der Stadt. Täglich besuchen zwischen 50.000 und 60.000 Menschen den traditionsreichen Markt, der Einheimische ebenso wie Touristen aus aller Welt anzieht.

Der auch als „Ägyptischer Basar“ bekannte Markt verdankt seinen Namen den Gewürzen und Waren, die einst über Ägypten aus dem asiatisch-pazifischen Raum nach Istanbul gelangten. Der Historiker Fehmi Yılmaz von der Marmara-Universität erklärt, dass der Basar während der Osmanischen Zeit als bedeutendes Verteilungszentrum fungierte. Von hier aus wurden die Waren nach Anatolien und in die europäischen Provinzen des Reiches weitergeleitet.

Nach Angaben von Yılmaz besuchen monatlich rund eine bis eineinhalb Millionen Menschen den Basar. Er sei weit mehr als nur ein historisches Gebäude. Der Gewürzbasar repräsentiere die Geschichte und Kultur Istanbuls und trage dieses Erbe weit über die Grenzen der Metropole hinaus.

Heute beherbergt der Basar rund 120 Geschäfte. Etwa 80 Prozent der Verkaufsflächen sind dem Handel mit Gewürzen, Nüssen und Spezialitäten aus verschiedenen Regionen gewidmet. Viele Händlerfamilien sind bereits seit Generationen vor Ort vertreten. Die jüngsten Geschäftsinhaber betreiben ihre Läden nach Angaben der Händlervereinigung bereits seit 20 bis 25 Jahren.

Der Vorsitzende der Händlervereinigung „Mısır Çarşısı 1664“, Sami Koyuncu, betont die besondere Atmosphäre des Marktes. Der Basar sei an sieben Tagen in der Woche geöffnet und basiere auf einer über Jahrhunderte gewachsenen Vertrauenskultur. Zudem sichere er zahlreiche Arbeitsplätze. In den Geschäften arbeiten im Durchschnitt sieben bis acht Mitarbeiter, viele von ihnen sprechen mehrere Sprachen, um Besucher aus aller Welt betreuen zu können.

Auch die umliegenden Geschäfte profitieren vom Besucheransturm. Stoffhändler, Perlenverkäufer und traditionelle Restaurants in der Nachbarschaft ziehen ebenfalls Nutzen aus dem stetigen Strom an Kunden.

Der Gewürzbasar überstand einen verheerenden Brand im Jahr 1940 und wurde nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten 1943 wiedereröffnet. Eine weitere umfassende Modernisierung wurde 2018 abgeschlossen.

Besonders beliebt ist der Markt bei Besuchern aus Spanien, Griechenland und Lateinamerika. Während die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zuletzt zu einem leichten Rückgang der regionalen Besucherzahlen führten, sorgen religiöse Feiertage wie Ramadan und das Opferfest regelmäßig für einen zusätzlichen Besucheransturm.

Mit seiner einzigartigen Mischung aus Geschichte, Kultur und Handel bleibt der Gewürzbasar eines der lebendigsten Zentren Istanbuls – und ein Pflichtstopp für Millionen Reisende.