Vor der Küste des türkischen Urlaubsparadieses Fethiye hat sich ein Gigant der Meere gezeigt, der nur selten zu sehen ist. In den Gewässern vor Göcek gelang es einem Yachtkapitän, einen Pottwal (Physeter macrocephalus) zu filmen. Im Türkischen ist diese Walart auch als „Kaşalot“ bekannt. Die Sichtung des weltweit größten bezahnten Raubtiers gilt als biologisch bedeutsames Ereignis für das östliche Mittelmeer.
Kapitän Oğuzhan Çoban filmte das Tier in der Tiefwasserzone zwischen Fethiye und der griechischen Insel Rhodos. Experten betonen, dass Pottwale zwar gelegentlich im Mittelmeer gesichtet werden, direkte Begegnungen mit ihnen jedoch eine Seltenheit darstellen. Die nun dokumentierten Aufnahmen liefern neue Hinweise auf die Dynamik des marinen Lebens und auf sich verändernde Wanderrouten.
Dr. Yasin İlemin, der das Zentrum für biologische Vielfalt an der Muğla Sıtkı Koçman Universität leitet, ordnet die Sichtung als wissenschaftlich wertvoll ein. „Die Meeresregion zwischen Fethiye und Rhodos zählt zu den tiefsten Gewässern des östlichen Mittelmeers und weist eine hohe Nährstoffvielfalt auf”, erklärte İlemin. Dies locke die Tiere jedes Jahr zur Nahrungsaufnahme, Paarung und Jungenaufzucht an. Der Forscher machte jedoch auch auf die Gefahren aufmerksam: Der dichte Schiffsverkehr in der Region könne die akustische Kommunikation der Wale massiv stören und die mindestens 14-monatige, sensible Phase der Mutter-Kind-Bindung sowie das Säugen der Kälber erheblich erschweren.
Als mögliche Treiber für die Bewegung der Meeressäuger nannte der Biologe den Klimawandel, steigende Meerwassertemperaturen sowie Verschiebungen in der Verteilung der Beutetiere.
Angesichts dieser seltenen Sichtung appellieren die Behörden eindringlich an Bootsfahrer und Wassersportler. Beim Zusammentreffen mit geschützten Arten wie Walen oder Delfinen gilt die strikte Aufforderung, Abstand zu halten, die Tiere nicht zu bedrängen und jede Sichtung unverzüglich an die zuständigen Institutionen zu melden.