Antike Stadt Oinoanda in Fethiye strebt UNESCO-Welterbestatus an

08.03.2026 – 19:00 Uhr

Die antike Stadt Oenoanda in der südwesttürkischen Provinz Muğla hat offiziell einen Antrag auf Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste gestellt. Die Nominierungsunterlagen wurden bereits bei den zuständigen Provinzbehörden eingereicht.

Die archäologische Stätte liegt im bergigen Hinterland nahe der Ortschaft İncealiler im Bezirk Fethiye. In der römischen Zeit war Oenoanda eine bedeutende Siedlung in der Region Lycia.

International bekannt ist der Ort vor allem wegen eines außergewöhnlichen philosophischen Denkmals aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Der epikureische Denker Diogenes von Oinoanda ließ dort eine monumentale Inschrift anfertigen, in der er die Lehren des Philosophen Epikur erklärte.

Die Texte wurden auf Steinblöcke einer monumentalen Mauer gemeißelt, die ursprünglich etwa 80 Meter lang und rund vier Meter hoch war. Forschende bezeichnen sie als die größte philosophische Inschrift der Welt und als einzigartiges Beispiel dafür, dass ein philosophisches Werk im Altertum öffentlich in dieser monumentalen Form präsentiert wurde.

In den erhaltenen Fragmenten geht es um zentrale Themen der epikureischen Philosophie – etwa Glück, die Natur des Universums, die Befreiung von Angst sowie die Ablehnung von Aberglauben. Ziel der Inschrift war es, gewöhnlichen Menschen den Weg zu einem ruhigen und erfüllten Leben zu zeigen.

Die Autoren der Nominierungsakte, Hatice Nur Beyaz Erkızan (Mitglied des philosophischen Komitees von UNESCO Türkiye) und Serdar Kayhan, betonen die besondere Bedeutung des Ortes: Oenoanda sei nicht nur eine antike Stadt, sondern „das in Stein gemeißelte Gedächtnis der menschlichen Suche nach dem guten Leben“. Eine Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste wäre daher sowohl für die Türkei als auch für die Kulturgeschichte der Menschheit von großer Bedeutung.