Im türkischen Ferienort Bodrum spitzt sich die Verkehrslage bereits Monate vor Beginn der Hauptsaison dramatisch zu. Schon im Februar stehen zentrale Kreuzungen still – Experten schlagen Alarm.
Auf einer Konferenz der Handelskammer von Bodrum warnte der Vorsitzende eines Verkehrsplangremiums, Mustafa Ilıcalı, vor einem drohenden Kollaps im Sommer. „Wir haben noch Februar, und die Knotenpunkte sind bereits blockiert“, erklärte er und forderte schnelle, koordinierte Maßnahmen.
Nach seinen Angaben seien zwar in früheren Amtszeiten verschiedene Verkehrsprojekte entwickelt worden, doch deren Umsetzung stocke seit Jahren. Ohne entschlossenes Handeln drohe nicht nur dem Tourismus in der Region Schaden, sondern auch der türkischen Volkswirtschaft insgesamt.
Fast eine Million ausländische Gäste
Laut offiziellen Zahlen reisten 2025 rund 948.000 ausländische Besucher per Flugzeug oder Kreuzfahrtschiff nach Bodrum. Viele von ihnen landen am Milas-Bodrum Airport – und stehen anschließend häufig lange im Stau auf dem Weg ins Zentrum. Besonders die Küstenstraße gilt in Spitzenzeiten als „völlig überlastet“.
Ein Kernproblem: Rund 85 Prozent aller Wege innerhalb Bodrums werden mit dem privaten Pkw zurückgelegt – ein Wert, der mit dem Verkehrsaufkommen in Istanbul vergleichbar ist. Für das enge Straßennetz der Halbinsel ist das eine enorme Belastung.
Tourismusabgabe im Gespräch
Bereits Mitte 2025 hatte der Bürgermeister von Bodrum die Einführung einer moderaten „Tourismusabgabe“ ins Gespräch gebracht – eine Art Eintrittsgebühr von wenigen Euro pro Besucher. Der Vorschlag sorgte für Diskussionen, blieb jedoch bislang ohne konkrete Umsetzung.
Experten fordern jetzt ein ganzes Maßnahmenpaket: Kreuzungen sollen geometrisch neu gestaltet und mit intelligenten Ampelsystemen ausgestattet werden. Zudem müssten Buslinien optimiert, Parkraumkonzepte überarbeitet und Taxistandorte effizienter organisiert werden – möglicherweise über appbasierte Systeme.
Auch drastischere Schritte stehen im Raum: So könnte die Küstenstraße in Hochzeiten für den Individualverkehr gesperrt und stattdessen durch ein Ring-System im öffentlichen Nahverkehr entlastet werden.
Langfristig werden zudem eine Umgehungsstraße außerhalb des Stadtkerns sowie eine leistungsfähige ÖPNV-Verbindung zwischen Flughafen, Stadtzentrum und dem Ferienort Turgutreis geprüft.
Fest steht: Ohne grundlegende Verkehrswende droht dem Vorzeigeziel an der Ägäis im Sommer der Stillstand.