Die jüngsten Niederschläge in der westtürkischen Urlaubsregion Bodrum haben die angespannte Wassersituation kaum entschärft. Nach Einschätzung von Fachleuten sind die Regenmengen nicht ausreichend, um die Trinkwasser-Stauseen der Region nachhaltig zu füllen. Stattdessen greift die Wasserversorgung zunehmend auf Grundwasser zurück, was riskante Folgen haben kann.
Die beiden zentralen Trinkwasserreservoirs für Bodrum, die Stauseen Mumcular und Geyik, waren bereits im vergangenen November auf ein kritisches Mindestniveau gefallen. Trotz der seither gefallenen Niederschläge blieb eine spürbare Erholung aus. Der Füllstand des Mumcular-Stausees liegt derzeit bei rund sieben Prozent, der des Geyik-Stausees bei etwa 28 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen deutlichen Rückgang.
Nach Angaben von Doç. Dr. Ceyhun Özçelik von der Muğla Sıtkı Koçman Universität sind die Chancen gering, die Speicher in dieser Saison noch ausreichend zu füllen. Zwar fällt ein Großteil des jährlichen Niederschlags bis Ende Februar, doch auch die bisherigen Regenfälle haben kaum Wirkung gezeigt. Hoffnung besteht allenfalls noch auf kurze, intensive Niederschläge im Frühjahr, die direkt in die Staubecken gelangen.
Seit Längerem wird die Entsalzung von Meerwasser als mögliche Alternative diskutiert. Diese Option gilt jedoch als teuer und technisch aufwendig. Zudem ist die damit gewonnene Wassermenge begrenzt. Nach Einschätzung des Experten kann die Meerwasserentsalzung allenfalls als ergänzende Notlösung dienen, jedoch nicht als dauerhafte Antwort auf den steigenden Wasserbedarf. Langfristig droht zudem eine weitere Verschlechterung der Wasserqualität.
Besonders kritisch bewerten Fachleute die zunehmende Nutzung der Grundwasservorkommen. Da die Stauseen seit längerer Zeit kaum Wasser liefern, wird der Bedarf der Stadt zunehmend durch unterirdische Reserven gedeckt. Messungen zeigen jedoch bereits eine erhebliche Übernutzung. Özçelik warnt davor, diese Ressourcen unkontrolliert weiter auszubeuten. Grundwasser ist die letzte verlässliche Reserve für künftige Trockenperioden.
Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels und der wachsenden Bevölkerung in der Region rechnet der Wissenschaftler damit, dass die Dürreproblematik in den kommenden Jahren anhalten könnte. Ohne strengere Kontrollen und ein nachhaltiges Wassermanagement droht Bodrum langfristig ein strukturelles Trinkwasserproblem. Andere sichere Alternativen stünden derzeit nicht zur Verfügung.