In der türkischen Urlaubsmetropole Bodrum sind seit heute die Presslufthämmer verstummt. Pünktlich zum 15. Mai ist das alljährliche, fünfmonatige Bauverbot in Kraft getreten, das sämtliche Bautätigkeiten auf der Halbinsel bis zum 15. Oktober untersagt. Während die einen auf ruhige Nächte hoffen, atmet die Tourismusbranche auf – und warnt zugleich vor den noch offenen Wunden der Infrastruktur.
Die Maßnahme, die in der beliebten Destination an der Ägäisküste der Provinz Muğla traditionell den Saisonstart markiert, legt den boomenden Immobiliensektor gezielt lahm. Noch laufende Bauprojekte im gesamten Gebiet der Halbinsel mussten heute ihre Aktivitäten einstellen. Die Kommunalverwaltung kündigte an, hart gegen Verstöße vorzugehen. Unternehmen, die sich nicht an das Moratorium halten, drohen empfindliche Strafen und behördliche Zwangsmaßnahmen.
Ömer Faruk Dengiz, der Vorsitzende des Hotelierverbandes von Bodrum (Bodrum Otelciler Derneği), begrüßte diesen Schritt als überlebensnotwendig für die Branche. „Jetzt sind wir am Zug. Wir Hoteliers treten nun offiziell in die Tourismussaison ein”, erklärte Dengiz. Er unterstrich die wirtschaftliche Dimension mit Nachdruck: „Der Tourismus ist ein Sektor, der Bodrum ernsthafte Deviseneinnahmen beschert.”
Trotz der akustischen Entlastung sieht der Verbandschef keinen Grund für Selbstzufriedenheit. Dengiz wies auf die noch immer nicht abgeschlossenen Infrastrukturprojekte der Großstadtgemeinde Muğla hin, die das Bild einiger Stadtviertel trüben. Man stehe in engem Austausch mit den Behörden, um die Prozesse zu beschleunigen. „Wir können uns hier keine Fehler erlauben. Wir müssen die Gäste optimal empfangen und den bestmöglichen Service bieten”, mahnte Dengiz. Während die Arbeiten in einigen Stadtteilen bereits beendet seien, bleibe die Situation in anderen kritisch. Die Branche vertraut jedoch darauf, dass die Baustellen der öffentlichen Hand rechtzeitig vor der erwarteten Hitzewelle im Hochsommer verschwinden.
Diese Regelung gilt als Balanceakt zwischen dem unbändigen Bauboom der Region und dem Bedürfnis, einen Urlaub ohne Lärmbelästigung zu garantieren. Für die kommenden fünf Monate gilt nun das Primat der Erholung, wobei scharfe Sanktionen gegen jeden verhängt werden, der dennoch zum Mischer greift.