Wenn 40 Tage Regen in 4 Stunden fallen: Antalyas Kampf mit den Fluten

Bilder: DHA
27.02.2026 – 10:00 Uhr

(DHA) ANTALYA – Heftige Regenfälle haben in den vergangenen Wochen in Antalya zu Überschwemmungen und erheblichen Schäden geführt. Straßen verwandelten sich in Seen, zahlreiche Erdgeschosswohnungen wurden überflutet.

Prof. Dr. Ethem Karadirek von der Fakultät für Umwelttechnik an der Akdeniz-Universität erklärte, dass es sich dabei nicht um außergewöhnliche Ereignisse handle, sondern um die Folgen des Klimawandels und einer unzureichenden Stadtplanung. „Regenmengen, die früher in 40 Tagen fielen, gehen heute innerhalb von vier Stunden nieder“, sagte Karadirek. Die veränderten Niederschlagsmuster führten insbesondere in dicht bebauten Stadtgebieten zu vermehrten Überschwemmungen.

Wissenschaftliche Daten belegten deutlich die Veränderungen im Niederschlagsregime. Mit dem Klimawandel hätten sich Intensität, Häufigkeit und Wiederkehr solcher Extremereignisse spürbar verändert. „Die Wissenschaft lügt nicht. Diese Entwicklungen sind absehbar“, betonte Karadirek.

Ein zentrales Problem sieht der Experte in der fortschreitenden und teils ungeplanten Urbanisierung. Antalya sei einst von sieben Wasserläufen durchzogen gewesen, die jedoch im Zuge der Stadtentwicklung künstlich überbaut oder geschlossen wurden. Dadurch fehle es an natürlichen Abfluss- und Versickerungsflächen. „Die Natur findet immer einen Weg – aber dieser ist nicht unbedingt mit unseren Siedlungsstrukturen vereinbar“, erklärte er.

Karadirek plädiert für naturbasierte Lösungen und eine wassersensible Stadtplanung. Dazu gehörten die Ausweitung von Grünflächen, die Schaffung von Flächen zur Wasseraufnahme sowie die konsequente Nutzung von Regenwassersammelsystemen auf Gebäuden. Wären Flächen nicht versiegelt worden, könne Regenwasser im Boden versickern und gefiltert werden. Regenwassernutzung sei daher nicht nur eine alternative Wasserquelle, sondern auch eine wirksame Maßnahme zur Verringerung von Überschwemmungen.

Angesichts weiter steigender Temperaturen und zunehmender Wetterextreme sei rasches Handeln erforderlich. „Jedes Jahr sprechen wir vom heißesten Sommer oder vom winter mit den meisten Überschwemmungen. Um nicht dauerhaft mit solchen Ereignissen konfrontiert zu sein, müssen wir jetzt Vorsorgemaßnahmen ergreifen“, so Karadirek.