ANTALYA – Die Türkei wird 2027 Gastgeber der 49. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees sein. Vom 27. Juni bis 7. Juli 2027 findet die Sitzung in Istanbul statt. Das Land verfügt derzeit über 22 UNESCO-Welterbestätten und führt mit 80 Einträgen zugleich die UNESCO-Vorschlagsliste (Tentativliste) an.
Antalya nimmt dabei eine besondere Stellung ein: Mit neun Stätten auf der Tentativliste ist die Mittelmeerprovinz die Stadt beziehungsweise Region mit den meisten UNESCO-Kandidaten in der Türkei.
Die Türkei wurde erstmals 1985 mit einer Stätte in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Nach Angaben des türkischen Tourismusfachmanns und Vorsitzenden der Tourismus-Arbeitsgruppe des Stadtrats von Antalya, Recep Yavuz, liegt die eigentliche Herausforderung inzwischen nicht mehr darin, neue Kandidaten zu finden.
„Das Problem der Türkei ist kein Mangel an Kandidaten“
Yavuz betont, dass Anatolien aufgrund seiner jahrtausendealten Geschichte zu den kulturell reichsten Regionen der Welt gehört. Hethiter, Phryger, Urartäer, Lyder, Lykier, Römer, Byzantiner, Seldschuken und Osmanen haben ihre Spuren hinterlassen.
„Das Problem der Türkei ist kein Mangel an Kandidaten“, sagte Yavuz. Vielmehr müsse es darum gehen, die vorhandenen Kandidaten auf das Niveau eines UNESCO-Welterbes zu bringen. Mit 80 Einträgen verfüge die Türkei über eine der umfangreichsten Tentativlisten weltweit.
Neun Kandidaten aus Antalya
Antalya wird international vor allem mit Stränden, Meer und Sonne verbunden. Tatsächlich befinden sich in der Region jedoch zahlreiche bedeutende antike Stätten.
Auf der UNESCO-Tentativliste stehen unter anderem:
- Karain-Höhle – seit 1994
- Kekova – seit 2000
- Termessos und Güllük Dağı – seit 2000
- Alanya – seit 2000
- Nikolauskirche in Demre – seit 2000
- Perge – seit 2009
- Lykische Städte – seit 2009
- Aspendos – seit 2015
- Yivli Minarett – seit 2016
Nach Einschätzung von Yavuz verfügt kaum eine andere Stadt weltweit über so viele potenzielle UNESCO-Welterbestätten wie Antalya.
Termessos gilt als stärkster Kandidat
Besonders große Hoffnungen setzt Yavuz auf die antike Stadt Termessos, die sich inmitten des Güllük-Dağı-Nationalparks befindet.
Termessos sei weit mehr als eine außergewöhnliche antike Stadt. Die Anlage verbinde auf einzigartige Weise Natur und Geschichte. Als eine der Städte, die Alexander den Großen nicht erobern konnte, habe Termessos zudem eine besondere Bedeutung in der Weltgeschichte.
„Heute gibt es weltweit viele UNESCO-Stätten, die nicht über eine so starke Verbindung von historischem und natürlichem Erbe verfügen wie Termessos“, erklärte Yavuz.
Die Stätte erfülle seiner Ansicht nach nicht nur die UNESCO-Kriterien, sondern habe den Status als Welterbe längst verdient. Was bislang fehle, sei ein starkes Bewerbungsverfahren, das den Wert von Termessos nach internationalen Standards vermittelt, schützt und nachhaltig verwaltet.
Hoffnungen ruhen auf Istanbul
Die UNESCO-Sitzung 2027 in Istanbul bietet der Türkei nach Einschätzung Yavuz’ eine wichtige Gelegenheit, ihr kulturelles Erbe erneut international in den Mittelpunkt zu rücken.
Das Ziel dürfe nicht allein darin bestehen, weitere Kandidaten vorzuschlagen. Entscheidend seien wissenschaftlich fundierte Bewerbungsunterlagen, moderne Schutzkonzepte und nachhaltige Managementpläne.
Yavuz fordert deshalb, dass insbesondere Termessos bei der Sitzung in Istanbul offiziell präsentiert wird. Sein Ziel: Mindestens zwei oder drei türkische Kandidaten sollen den Sprung auf die Welterbeliste schaffen – darunter möglichst auch eine Stätte aus Antalya.
„Wenn dieser Tag kommt, werden nicht nur Termessos oder Antalya gewinnen. Gewinner wird die Türkei sein“, sagte Yavuz.
Weltweit 1.273 Welterbestätten
Weltweit umfasst die UNESCO-Welterbeliste im Jahr 2026 insgesamt 1.273 Stätten. Davon sind 991 kulturelle, 240 natürliche und 42 gemischte Kultur- und Naturerbestätten.
Insgesamt gehören 196 Staaten dem UNESCO-Welterbeübereinkommen an. Die Türkei ist mit 22 Welterbestätten vertreten, darunter 20 kulturelle und zwei gemischte Stätten.
Auf der Tentativliste der Türkei stehen derzeit 80 Stätten: 73 kulturelle, vier gemischte und drei natürliche. Der erste türkische Eintrag auf dieser Vorschlagsliste stammt aus dem Jahr 1994. Zuletzt wurde sie 2026 um den ODTÜ-Campus („Lebendige moderne Kulturlandschaft“) in Ankara ergänzt.