Die türkische Tourismusmetropole Antalya möchte ihr chronisches Verkehrsproblem mit einem ehrgeizigen Projekt lösen. Ein dichtes Netz aus See-Buslinien soll künftig die gesamte Küstenregion erschließen. Yusuf Hacısüleyman, der Präsident der Handels- und Industriekammer Antalya (ATSO), hat nun erstmals eine konkrete Route sowie die dazugehörige Karte öffentlich vorgestellt.
Der Plan sieht eine maritime Verkehrsachse vor, die sich über die gesamte Länge der Provinz erstreckt – von Kaş im Westen bis nach Gazipaşa im Osten. Auf der Karte, die bei einer Kammer-Sitzung präsentiert wurde, sind entlang dieser Küstenlinie insgesamt zwölf potenzielle Anlegestellen markiert. An diesen Punkten sollen Fahrgäste künftig ein- und aussteigen können, wodurch sich die Mobilität entlang der Riviera grundlegend verändern würde.
Hacısüleyman betonte, dass die notorische Verkehrsbelastung auf den Küstenstraßen nicht allein durch neue Asphaltprojekte zu bewältigen sei. „Der Seeweg kann das Gegenmittel für unser Verkehrsproblem sein”, erklärte der Kammerpräsident und verwies auf erfolgreiche Modelle in anderen Küstenstädten. Durch moderne maritime Technologien sei ein solches System heute praktikabler denn je.
Ein Kernstück der Planung ist die direkte Anbindung des Flughafens Antalya. Eine in Flughafennähe geplante Anlegestelle soll es ermöglichen, ankommende Urlauber direkt auf dem Wasserweg in ihre Urlaubsorte zu transportieren, ohne dass sie den oft überlasteten Straßenring der Stadt passieren müssen. Um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, drängt die Kammer zudem auf eine enge Verzahnung des Seebus-Systems mit dem bestehenden und geplanten Schienennetz der Region.
Neben der Entlastung des Verkehrs erhofft sich die Wirtschaftskammer von dem Projekt einen erheblichen Schub für den Tourismus. Die wasserseitigen Verbindungen könnten die Beweglichkeit von Reisenden zwischen den Urlaubsorten und Sehenswürdigkeiten deutlich erhöhen und so für zusätzliche Besucherströme, auch in weniger frequentierten Küstenabschnitten, sorgen.
Für die Umsetzung des Vorhabens ist jedoch die Unterstützung der Zentralregierung in Ankara unerlässlich. Hacısüleyman machte deutlich, dass ein Projekt dieser Größenordnung nicht allein durch die Kommunen realisierbar ist, sondern die Einbindung der zuständigen Ministerien erfordert.