Tourismus in Antalya: Rückgang von sieben Prozent im Juli – Branche unter Kosten- und Konkurrenzdruck

05.08.2026 – 14:00 Uhr

Die türkische Urlaubshochburg Antalya steuert auf einen massiven Gästerückgang zu. Kaan Kavaloğlu, der Präsident des Mittelmeer-Hotel- und Tourismusverbandes (AKTOB), schätzt, dass der Region bis zum Jahresende 2026 über eine Million Besucher im Vergleich zu den Vorjahren verloren gehen könnten.

Auf Basis aktueller Quartalszahlen zeichnete der Branchenvertreter ein getrübtes Bild der Lage. Zwar habe sich der anfänglich starke Einbruch etwas abgeschwächt, dennoch bleibe die Entwicklung negativ. „Wir sprechen hier von einem Szenario, das uns Sorgen bereitet – es ist das Beste, was aus einer schlechten Situation heraus möglich ist, mehr nicht“, kommentierte Kavaloğlu die bisherige Saisonleistung.

Deutliches Minus im ersten Halbjahr

Die Zahlen untermauern die Zurückhaltung: Im zweiten Quartal verzeichnete Antalya einen Gästerückgang von 9,6 Prozent. Dank einer leichten Belebung im Juli, als die Gesamtzahl der Ankünfte die Marke von acht Millionen überschritt, konnte der Negativtrend auf minus sieben Prozent abgebremst werden. Für eine Entwarnung reicht dies aus Verbandssicht jedoch nicht aus. Als Hauptursachen für die gedämpfte Nachfrage gelten die anhaltenden geopolitischen Verwerfungen, insbesondere der Krieg zwischen Russland und der Ukraine, der die wichtigen Quellmärkte destabilisiert.

Ein Blick auf die Herkunftsländer zeigt die Verschiebungen deutlich. Zwar stellen Russland, Deutschland und Großbritannien weiterhin die Top 3, unter den zehn wichtigsten Nationen gab es jedoch lediglich bei den ukrainischen Gästen einen Zuwachs.

Warnung vor Kostenfalle und harter Konkurrenz

Neben den geopolitischen Risiken belastet ein wachsender Kostendruck die Branche. Laut Kavaloğlu treffen steigende Betriebsausgaben auf einen Wechselkurs, der keine ausreichende Entlastung bietet. Um im Wettbewerb mit preisaggressiven Mittelmeerdestinationen wie Spanien oder Griechenland nicht weiter an Boden zu verlieren, setzt man auf eine Politik der Preisstabilität. Die kommenden Vertragsverhandlungen mit europäischen Reiseveranstaltern für die Saison 2027 sind daher von entscheidender strategischer Bedeutung.

Als unverzichtbare Stützen in der Hochsaison identifizierte der AKTOB-Chef den türkischen Binnenmarkt sowie die in Europa lebenden türkischstämmigen Bürger. Beide Segmente zeigen eine konstant hohe Nachfrage nach Reisen an die türkische Südküste und federn die Verluste bei den klassischen internationalen Gästegruppen zum Teil ab. „Diese Besucher sind für unser Geschäft nicht nur wichtig, sie sind essenziell und nicht ersetzbar“, stellte Kavaloğlu klar.