Nach dem folgenschweren Seilbahnunfall im türkischen Antalya, bei dem im April 2024 ein Mensch ums Leben kam und sieben weitere verletzt wurden, ist nun das Urteil gefallen. Das zuständige Schwurgericht in Antalya sprach den heutigen Bürgermeister des Bezirks Kepez, Mesut Kocagöz, sowie drei weitere Angeklagte in allen Punkten frei. Acht andere Beschuldigte wurden hingegen wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung zu Haftstrafen zwischen drei Jahren und vier Monaten sowie siebeneinhalb Jahren verurteilt.
Der Unfall ereignete sich am 12. April 2024 im Bezirk Konyaaltı. Neben den Verletzten waren insgesamt 174 Menschen in den Seilbahnkabinen eingeschlossen und konnten erst nach einer aufwendigen Rettungsaktion innerhalb von 23 Stunden geborgen werden. Ein Mann, Memiş Gümüş, verlor bei dem Unglück sein Leben. Insgesamt 150 Personen, darunter Angehörige des Opfers, traten im Verfahren als Nebenkläger auf.
Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich für alle zwölf Angeklagten Haftstrafen von bis zu 27 Jahren gefordert. In ihrem Schlussplädoyer differenzierte sie jedoch: Für mehrere Angeklagte, darunter leitende Mitarbeiter des Betreiberunternehmens ANET, wurde eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung beantragt. Für Mesut Kocagöz hingegen wurde Freispruch gefordert, da ihm zum Zeitpunkt des Unfalls keine operative Verantwortung zugeschrieben werden konnte.
Im Verlauf des Prozesses wiesen die Angeklagten die Vorwürfe weitgehend zurück. Der ehemalige stellvertretende Generaldirektor Ahmet Buğra S. erklärte, er habe keine direkte Verantwortung für den technischen Betrieb getragen. Ein anderer Angeklagter betonte, er habe durch das Anhalten der Seilbahn Schlimmeres verhindert und sie nur wieder in Betrieb genommen, um eingeschlossene Fahrgäste zu retten.
Das Gericht folgte in weiten Teilen der Argumentation der Staatsanwaltschaft. Während Kocagöz und drei weitere Angeklagte vollständig freigesprochen wurden, sah das Gericht bei den übrigen acht Angeklagten eine Mitverantwortung für die Sicherheitsmängel, die letztlich zum Unfall führten.
Alle Angeklagten wurden zudem vom Vorwurf freigesprochen, die Sicherheit des Verkehrs fahrlässig gefährdet zu haben, da hierfür keine ausreichenden Tatbestandsmerkmale festgestellt werden konnten.
Mit dem Urteil endet ein aufsehenerregender Prozess, der in der Türkei breite öffentliche Aufmerksamkeit erregt hatte.