ANTALYA – Trotz strenger Schutzvorschriften werden am Kumköy-Strand in der türkischen Provinz Antalya weiterhin Fahrzeuge und Zelte gesichtet. Der als Nistgebiet für die gefährdeten Unechten Karettschildkröten (Caretta caretta) ausgewiesene Strand ist zudem erneut von Müll übersät.
Der rund 3,2 Kilometer lange und etwa 300.000 Quadratmeter große Küstenabschnitt im Landkreis Aksu liegt zwischen dem Aksu-Fluss und dem Beşgöz-Bach und steht als besonderes Naturschutzgebiet unter Schutz. Für das Nistgebiet gelten zahlreiche Verbote: Fahrzeuge dürfen den Strand nicht befahren, außerdem sind das Aufstellen von Zelten, das Entzünden von Feuer und das Zurücklassen von Müll untersagt. Nachts ist der Zugang ebenfalls verboten.
Dass die Regeln trotzdem missachtet werden, zeigte sich jetzt erneut. Obwohl die Gemeinde Aksu den Strand erst vor einiger Zeit umfassend gereinigt hatte, türmen sich dort inzwischen wieder Abfälle. In den frühen Morgenstunden, wenn frisch geschlüpfte Schildkröten ihre Nester verlassen und den Weg zum Meer antreten, wurden zudem Zelte am Strand festgestellt.

Bis zu zwei Millionen Lira Strafe
Für Verstöße sind empfindliche Geldstrafen vorgesehen. Im Jahr 2026 können Privatpersonen mit einer Strafe von 699.245 türkischen Lira belegt werden. Für juristische Personen und Institutionen kann die Strafe sogar 2,097 Millionen Lira betragen.
Trotz dieser Sanktionen werde der Strand weiterhin nicht entsprechend geschützt genutzt, berichtet die Nachrichtenagentur DHA.
Fahrzeuge zerdrücken Schildkrötennester

Besonders problematisch sind Fahrzeuge, die auf den Dünen und damit direkt über den Nistplätzen abgestellt werden. Nach Angaben von DHA wurden bereits zahlreiche Nester durch Fahrzeuge beschädigt. Einige Jungtiere konnten deshalb nicht aus ihren Nestern gelangen und mussten von freiwilligen Helfern gerettet werden.
Besonders kurios: Ein Fahrzeug fuhr offenbar bis ans Meer und blieb im Sand stecken. Um es zu bergen, wurde ein Traktor gerufen. Doch auch der Traktor versank in den Dünen. Während der Bergungsarbeiten wurden weitere Bereiche des geschützten Nistgebiets befahren und dadurch zusätzliche Schildkrötennester gefährdet.
Freiwillige Helfer des Vereins für ökologische Forschung (Ekolojik Araştırmalar Derneği) befreiten schließlich Jungtiere, die durch die Fahrzeuge im Sand eingeschlossen worden waren.
Der Kumköy-Strand war in der Vergangenheit bereits durch zahlreiche illegale Bauten belastet. Zeitweise sollen sich dort mehr als 750 sogenannte „Çardak“ – illegal errichtete einfache Unterstände – befunden haben. Bei früheren Reinigungsarbeiten wurden unter dem Sand zudem mehr als 1.500 Autoreifen gefunden, die für illegale Abwassergruben verwendet worden waren.