Weltweit gibt es nur noch schätzungsweise 800 bis 900 Mittelmeer-Mönchsrobben. In Alanya werden Höhlen gereinigt und Fotofallen installiert. Doch Experten warnen: Die Tiere brauchen nicht nur geschützte Höhlen, sondern vor allem ungestörte Küsten.
In Alanya an der türkischen Mittelmeerküste laufen neue Schutzmaßnahmen für die stark gefährdeten Mittelmeer-Mönchsrobben. Höhlen werden gereinigt, ihre Sandflächen für die Tiere hergerichtet und Fotofallen zur Beobachtung erwachsener Robben und ihrer Jungtiere installiert. Hinweisschilder an den Höhleneingängen sollen Menschen auf die Schutzgebiete aufmerksam machen.
Die Arbeiten führt die örtliche Forst- und Naturschutzbehörde im Rahmen einer eigens eingerichteten Arbeitsgruppe zum Schutz und zur Erfassung der Mittelmeer-Mönchsrobben durch. Fachleute für Meeresbiologie begleiteten die Maßnahmen. Ziel ist es, die Lebensbedingungen der seltenen Tiere zu verbessern und ihre Entwicklung besser zu beobachten.

Weltweit nur noch 800 bis 900 Tiere
Die Mittelmeer-Mönchsrobbe steht auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als vom Aussterben bedrohte Art. In den vergangenen Jahren war ihre weltweite Population zeitweise auf etwa 700 Tiere gesunken. Nach Angaben aus dem vergangenen Jahr wird der Bestand inzwischen auf rund 800 bis 900 Tiere geschätzt.
Die Robben kommen heute nur noch in vier geografisch getrennten Regionen vor: an den Küsten der östlichen Mittelmeerregion, insbesondere in der Türkei und Griechenland, sowie an zwei Küstenregionen im östlichen Atlantik. In türkischen Gewässern leben schätzungsweise rund 120 erwachsene Tiere, deren Bestände weit verstreut sind.
Drei Viertel der Todesursachen gehen auf Menschen zurück
Die größte Gefahr für die Tiere geht vom Menschen aus. Nach Angaben der Forschungsgruppe für Mittelmeer-Mönchsrobben der türkischen Unterwasserforschungsgesellschaft SAD-AFAG sind etwa drei Viertel der registrierten Todesursachen menschlichen Aktivitäten zuzuschreiben.
Besonders häufig verenden die Robben, wenn sie sich in Fischernetzen verfangen und ertrinken. Weitere Gefahren sind Störungen durch Menschen sowie Krankheiten. In der Türkei engagieren sich unter anderem die Generaldirektion für Naturschutz und Nationalparks sowie SAD-AFAG für den Schutz der Art. Auch das Institut für Meereswissenschaften der Technischen Universität des Nahen Ostens in Mersin führt entsprechende Schutzprojekte durch.

„Die Höhlen sind nicht ihr ursprünglicher Lebensraum“
Cem Orkun Kıraç, Koordinator von SAD-AFAG, warnt davor, den Lebensraum der Robben auf Meereshöhlen zu beschränken. Früher hätten die Tiere an abgelegenen, offenen Küsten gelebt, an denen sie kaum Menschen begegneten. Erst der zunehmende menschliche Druck habe sie dazu gezwungen, sich in Höhlen, Felsspalten und andere geschützte Nischen zurückzuziehen.
„Dass sie in Höhlen flüchten, bedeutet nicht, dass Höhlen ihr Lebensraum sind“, betont Kıraç. Wenn die Tiere in Ruhe gelassen würden und Bebauung sowie Betonierung ausblieben, könnten sie wieder verstärkt offene Küstenabschnitte nutzen.
Deshalb müsse der Schutz nicht nur die Höhlen selbst umfassen. Entscheidend sei auch, menschliche Aktivitäten an den noch weitgehend unberührten Küsten einzuschränken.
Antalya zählt zu den wichtigsten Regionen
Antalya gehört laut Kıraç zu den vier türkischen Provinzen mit besonders bedeutenden Vorkommen der Mittelmeer-Mönchsrobbe. Neben Antalya spielen auch die Küsten von İzmir, Muğla und Mersin eine wichtige Rolle.
Geeignete Lebensräume finden sich in Antalya insbesondere in den Küstengebieten von Kaş, Demre, Finike, Kumluca, Kemer und Gazipaşa. Entlang der Strecke von Kaş bis Gazipaşa gebe es zahlreiche Höhlen, Felsspalten und geschützte Nischen. Eine genaue Zahl sei jedoch schwer zu ermitteln.
Kıraç hält es deshalb für wichtiger, die noch intakten Küstenabschnitte systematisch zu erfassen und zu bewahren, statt sich ausschließlich auf die Höhlen zu konzentrieren. Zwischen Siedlungen, Tourismusanlagen, Häfen und Marinas seien geeignete Rückzugsräume vielerorts nur noch in einzelnen Abschnitten vorhanden.
Kameras allein reichen nicht aus
Die Installation von Fotofallen in Alanya begrüßt der Experte ausdrücklich. Allerdings sei es weder praktikabel noch sinnvoll, sämtliche Höhlen und Felsspalten mit Kameras auszustatten. Die Überwachung hunderter Stellen wäre teuer, und die Geräte könnten unter den Bedingungen im Meer schnell beschädigt werden.
Stattdessen empfiehlt Kıraç, ausgewählte Höhlen stichprobenartig zu überwachen. Eine ausschließliche Konzentration auf Höhlen könne jedoch den falschen Eindruck erwecken, dass die Tiere dort ihren ursprünglichen Lebensraum hätten. Der Schutz müsse daher auch die offenen Küsten einbeziehen.
Sechs zentrale Bedrohungen
Nach Untersuchungen von SAD-AFAG gefährden vor allem sechs Faktoren die Mittelmeer-Mönchsrobben: die Zerstückelung natürlicher Küsten durch Bebauung, Störungen in den Höhlen, Todesfälle durch Fischernetze und gezielte Tötungen, intensiver Schiffsverkehr, Meeres- und Küstenverschmutzung sowie der Rückgang der Fischbestände.
Besonders der Verlust natürlicher Küstenabschnitte und die Störung der Tiere in ihren Rückzugsorten gelten in der Türkei als wichtige Probleme. Langfristig wird es deshalb darauf ankommen, nicht nur einzelne Höhlen zu schützen, sondern zusammenhängende, möglichst ungestörte Küstenlebensräume zu erhalten.