(DHA) Bei Untersuchungen in der historischen Altstadt von Antalya sind insgesamt 45 seldschukische Inschriften entdeckt worden, von denen viele zuvor unbekannt oder als verschollen galten. Die Texte wurden hinter Mauern, zwischen Pflanzen oder an schwer zugänglichen Stellen der Stadtmauern und Hauswände im Viertel Kaleiçi gefunden und vollständig übersetzt.

Die Entdeckungen gehen auf Forschungen zurück, die mit Unterstützung der Provinzverwaltung von Antalya durchgeführt wurden. Der Seldschuken-Historiker Mahmut Demir und die Mitarbeiterin der Kultur- und Tourismusdirektion Gülcan Acar dokumentierten die Inschriften, fotografierten sie einzeln und bereiteten ihre Übersetzung vor.
Erinnerungen an die seldschukische Eroberung
Die Inschriften stammen aus der Zeit der Seldschuken und stehen in direktem Zusammenhang mit der Eroberung der Stadt. Gıyaseddin Keyhüsrev I nahm Antalya erstmals am 5. März 1207 ein. Nach seinem Tod fiel die Stadt jedoch kurzzeitig wieder unter byzantinische beziehungsweise griechische Kontrolle.
Erst unter Izzeddin Keykavus I gelang es den Seldschuken, Antalya nach einer langen Belagerung erneut einzunehmen. Die Belagerung begann am 24. Dezember 1215 und endete am 22. Januar 1216 mit der endgültigen Eroberung der Stadt.

Größte seldschukische Inschrift Anatoliens
Zum Gedenken an diesen Sieg ließ Sultan Keykavus eine umfangreiche Eroberungsinschrift anfertigen. Sie gilt als eine der größten bekannten seldschukischen Inschriften Anatoliens und ist in poetischem Arabisch verfasst. Der Text wurde nicht auf Papier, sondern direkt in Stein gemeißelt und entlang der Stadtmauern angebracht.
Die sogenannte „Fetihname“-Inschrift besteht aus insgesamt 45 Teilen: 43 Hauptfragmenten sowie zwei ergänzenden Stücken. Heute sind sieben dieser Fragmente verloren, neun werden im Ethnographischen Museum ausgestellt, während 29 weiterhin an den Mauern von Kaleiçi erhalten sind.

Versteckt auf Dächern und hinter Mauern
Die Dokumentation der Inschriften erwies sich als aufwendig. Viele von ihnen befinden sich an schwer zugänglichen Orten, etwa auf Dächern, in privaten Innenhöfen oder hinter Pflanzen verborgen. Einige wurden im Laufe der Zeit beschädigt.
Fotografin Gülcan Acar hielt die Inschriften mit digitalen Methoden fest, während Historiker Demir ihre Texte entzifferte und übersetzte. Ziel des Projekts sei es, diese bislang kaum sichtbaren Zeugnisse der Geschichte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ausstellung der wiederentdeckten Texte
Repliken der Inschriften in Originalgröße werden inzwischen im Rahmen von Gedenkveranstaltungen zur seldschukischen Eroberung Antalyas gezeigt. Die Ausstellung ist unter anderem im Kulturzentrum der Akdeniz Üniversitesi sowie im Atatürk Kültür Merkezi zu sehen.
Antalya wurde im Laufe seiner Geschichte von zahlreichen Zivilisationen geprägt – von den antiken Regionen Lykien und Pamphylien über das Römische und Byzantinische Reich bis zu den Seldschuken und dem Osmanischen Reich. Der Gründer der Republik Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, bezeichnete Antalya einst als „zweifellos die schönste Stadt der Welt“.