Historische Burgen in Antalya durch nostalgische Tramvibrationen gefährdet – Experten warnen vor Einsturz

Bilder: DHA
11.02.2026 – 8:00 Uhr

Antalya – In Antalya wurde festgestellt, dass die Burgen des „Kale Kapısı“ aus der römischen Zeit durch die täglichen Vibrationen der alten Tram, die 64-mal am Tag die Strecke passiert, ernsthaft einsturzgefährdet sind. Experten fordern dringend Maßnahmen, nachdem Risikoanalysen die Gefahr klar belegen.

Die historischen Burgen westlich des Wahrzeichens Saat Kulesi (Uhrturm) gehören zur Verantwortung der Antalya Büyükşehir Belediyesi (Stadtverwaltung). Die Bauwerke stammen aus der Römerzeit und tragen auch seldschukische Inschriften. Laut den technischen Berichten sind sie durch die starke Erschütterung der nostalgischen Straßenbahn massiv gefährdet. Besonders nach den jüngsten Regenfällen und Stürmen sei das Risiko auf ein kritisches Niveau gestiegen.

„Gefahr hat sich erhöht“

Der Bericht des Gebze Technischen Universität (GTÜ) aus dem Jahr 2023 wurde erneut relevant. Damals untersuchte der Experte für historische Bauwerke, Prof. Dr. Ferit Çakır (Bauingenieurwesen), im Zuge der Restaurierung des Uhrturms die Umgebung. In seinem Gutachten warnte er, dass der Uhrturm und die angrenzenden historischen Burgen und Mauern durch die 64 täglichen Tramüberfahrten zerstört werden könnten.

Während der technischen Messungen im Rahmen der Uhrturm-Restaurierung wurde das Risiko deutlich. Nach den jüngsten starken Regenfällen und Stürmen stieg die Gefahr laut Experten nochmals an.

„Isolation unter den Schienen ist notwendig“

Prof. Dr. Çakır erklärte, dass die Vibrationen durch die Tram extrem stark seien und die Burgen dadurch zerstört werden könnten. Er betonte, dass eine Isolierung unter den Schienen dringend erforderlich sei.
„Wenn unter den Schienen eine Isolationsschicht eingebaut wird, reduziert das die Erschütterungen deutlich. Es gibt bereits Beispiele in Istanbul, in der historischen Altstadt“, sagte er. Die Schienen müssten dafür kurzzeitig geöffnet, isoliert und wieder geschlossen werden.

Als Alternative schlug er vor, die Strecke nicht weiter mit den alten Straßenbahnen zu befahren, da diese sehr starke Vibrationen verursachen.

„Überall gibt es Schäden“

Die Messdaten am Uhrturm zeigten bei jeder Tramfahrt deutlich eine Erschütterung, so Prof. Çakır. Da es sich um wiederkehrende Belastungen handele, werde dies langfristig zu Schäden führen. Zwar seien am Uhrturm bereits einige Schutzmaßnahmen umgesetzt worden, jedoch müssten auch die umliegenden historischen Bauwerke geschützt oder direkt die Schienen entkoppelt werden. In den vergangenen Regenfällen habe es bereits teilweise Schäden gegeben.

Warnung per Petition an die Stadtverwaltung

Der frühere Regionaldirektor für Denkmalschutz und Restaurierung, Cemil Karabayram, sandte der Stadtverwaltung Antalya eine Petition und warnte vor der Gefahr. Er legte Fotos aus früheren Jahren neben aktuellen Bildern, die die Schäden am Burgturm zeigen.

Karabayram betonte, dass das Bauwerk direkt an der Tramstrecke liegt und durch Klimaeinflüsse, starke Regenfälle und Stürme besonders gefährdet sei. Die Ziegel und Mörtel der Dachabdeckung hätten ihre Festigkeit verloren, wodurch ein ernsthaftes Risiko bestehe.

Dringender Handlungsbedarf

In seiner Petition erinnerte Karabayram daran, dass bereits 2023/2024 in Berichten der Gebze Technischen Universität Lösungsvorschläge zur Tramstrecke vorgelegt wurden, die jedoch bisher nicht umgesetzt wurden. Er warnte, dass ein Einsturz bei starkem Wind oder Sturm zu unwiederbringlichen Menschen- und Sachschäden führen könne, da die Strecke ein stark frequentierter Touristenweg ist.

Vorläufige Schutzmaßnahmen vorgeschlagen

Karabayram betonte, dass eine umfassende Sanierung viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Als vorübergehende Maßnahme empfahl er die Stabilisierung der Dachabdeckung mit speziellen Stahlnetzen und die Einrichtung eines sicheren Durchgangs für Besucher. Außerdem sollten Materialien zwischen den Schienen eingesetzt werden, die die Vibrationen dämpfen.