ANTALYA – In der Türkei ist ein weltweit einzigartiges Such- und Rettungsprojekt gestartet: Im Rahmen des Projekts „Kahraman Fareler“ (Heldenratten) sollen speziell ausgebildete afrikanische Riesenbeutelratten künftig bei der Suche nach Verschütteten in Trümmern nach Naturkatastrophen eingesetzt werden.

Das Projekt wird von der Gemeinde Muratpaşa, der belgischen Organisation APOPO, der GEA-Such- und Rettungsvereinigung sowie der Ankara-Universität umgesetzt. Sechs Ratten namens Jo, Carusa, Wagner, Billy, Kiria und Daniel, die zuvor in Tansania trainiert wurden, sind dafür nach Antalya gebracht worden.
Kameras, GPS und außergewöhnlicher Geruchssinn
Die Tiere wurden wegen ihres extrem feinen Geruchssinns, ihrer geringen Körpergröße und ihrer Fähigkeit ausgewählt, enge und tiefe Hohlräume in Trümmern schnell zu erreichen. Jede Ratte trägt ein kleines Rucksackmodul mit Kamera und GPS, wodurch ihre Bewegungen in Echtzeit verfolgt werden können.
Sobald die Ratten unter den Trümmern menschlichen Geruch wahrnehmen, ziehen sie an einer kleinen Glocke an ihrem Hals und senden so ein Signal an die Einsatzkräfte außerhalb des Trümmerfeldes. Nach dem Einsatz kehren sie selbstständig zum Startpunkt zurück. Als Belohnung erhalten sie unter anderem Avocado.

Erfahrung aus Minenräumung und Tuberkulose-Erkennung
Die Organisation APOPO bildet seit über 25 Jahren Ratten aus und hat sie bereits erfolgreich bei der Ortung von Landminen sowie bei der Erkennung von Tuberkulose eingesetzt. Laut APOPO-Vertreterin Dr. Danielle Giongrosso haben diese Tiere dadurch bereits tausende Menschenleben gerettet.
„Dies ist ein völlig neues Forschungsfeld. Unsere Ratten sind klein, wendig und können Bereiche erreichen, die für Hunde oder Menschen kaum zugänglich sind“, erklärte Giongrosso. Die Ausbildung der Tiere dauert je nach Einsatzgebiet eineinhalb bis zwei Jahre, ihre Lebenserwartung liegt bei bis zu zehn Jahren.

„Hoffentlich brauchen wir sie nie“
Der Bürgermeister von Muratpaşa, Ümit Uysal, bezeichnete das Projekt als zukunftsweisend:
„Wir hoffen, dass wir diese Heldenratten niemals einsetzen müssen. Doch als ein Land, das häufig von Erdbeben und Katastrophen betroffen ist, müssen wir auf innovative Lösungen vorbereitet sein.“
Auch Vertreter der GEA-Rettungsorganisation und der Ankara-Universität betonten, dass die Ratten künftig als ergänzendes Team zu Rettungshunden eingesetzt werden könnten.
Die Türkei ist damit das erste Land weltweit, das Ratten offiziell in der Katastrophenrettung erprobt – ein Projekt, das international große Aufmerksamkeit auf sich zieht.