In der türkischen Provinz Antalya, im Bezirk Aksu, sorgt eine geplante Techno-Party in der Karataş-Höhle für große Kontroversen. Die Höhle, die mit Legenden um Alexander den Großen und den Apostel Paulus verbunden ist, gilt als bedeutendes Natur- und Kulturerbe. Wissenschaftler und Höhlenforscher warnen vor irreversiblen Schäden, während die Eigentümer und Veranstalter auf bestehende Genehmigungen verweisen.

Die Veranstaltung soll am 10. Januar zwischen 22.00 und 04.00 Uhr stattfinden. In sozialen Medien wird sie unter dem Titel „Cave Techno Experience“ beworben – als erste Techno-Party in einer Höhle in Antalya. Sieben DJs sollen auftreten, Tickets werden online verkauft.
Wissenschaftler schlagen Alarm
Der Geograph Dr. Oruç Baykara von der Pamukkale-Universität und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Türkischen Höhlenforschungsföderation warnt eindringlich:
„Höhlen sind keine gewöhnlichen Felsräume. Sie sind über Millionen von Jahren entstanden und extrem empfindlich. Diese Veranstaltung kann der Karataş-Höhle irreversible Schäden zufügen.“
Besonders kritisch sei die Situation für die Fledermauspopulation, die sich derzeit im Winterschlaf befindet. Lärm, Vibrationen und künstliches Licht könnten die Tiere aufwecken, was zu Stress, Energieverlust und sogar zum Tod führen könne. Zudem lebten in der Höhle endemische Arten, die nur in dieser Region vorkommen.
Baykara weist außerdem auf Gefahren für die Stalaktiten und Stalagmiten hin, die durch eine einzige unachtsame Berührung zerstört werden könnten. Die Höhle sei zudem eine aktive Wasserquelle, die das Grundwasser der Region speist. Abfälle oder Verschmutzungen könnten somit auch Landwirtschaft und Bevölkerung gefährden. Auch Sicherheitsrisiken für die Besucher durch mögliche Gesteinsabbrüche seien nicht auszuschließen.
Kritik von Höhlenforschern
Auch der Höhlenforscher Deniz Özgür äußert deutliche Kritik:
„Ich bin nicht gegen Tourismus in Höhlen, aber gegen ihre Entfremdung. Wenn man eine Party veranstalten will, soll man ein Gebäude oder einen Tunnel bauen – aber nicht eine natürliche Höhle stören.“
Eigentümer verteidigt Nutzung
Der Grundstückseigentümer Çağlar Karataş betont hingegen, dass es sich um Privatbesitz handele. Die Höhle befinde sich auf einem 30 Hektar großen Gelände, das seine Familie 1998 vom Staat ersteigert habe.
„Unsere Höhle gehört zur D-Schutzklasse, das heißt, sie unterliegt keinen besonderen Nutzungseinschränkungen“, erklärte Karataş. Alle erforderlichen Genehmigungen – inklusive Umweltverträglichkeitsprüfungen – lägen vor. Das Areal werde seit rund 15 Jahren als Tourismusbetrieb genutzt und verfüge über sämtliche Betriebs- und Alkohollizenzen.
Veranstalter verspricht moderate Lautstärke
DJ İlker Büyükarslan, einer der Organisatoren, versichert, dass die Musik nicht übermäßig laut sein werde:
„Es wird keine extremen Bassvibrationen geben. Die Lautstärke bleibt auf einem Niveau, bei dem die Menschen Musik hören und genießen können.“
Man wolle Antalya als neue Erlebnisdestination präsentieren und habe Genehmigungen mehrerer Behörden erhalten.
Historische Bedeutung der Höhle
Die Karataş-Höhle war bis 2011 nach einer über 1.000 Jahre langen Schließung wieder für Besucher geöffnet worden. Historischen Überlieferungen zufolge soll Alexander der Große hier Waffen gelagert und seine Soldaten mit dem heilenden Höhlenschlamm behandelt haben. Auch der Apostel Paulus soll sich hier im 1. Jahrhundert n. Chr. aufgehalten haben.
Angesichts der geplanten Party prallen nun wirtschaftliche Interessen und Naturschutz aufeinander. Ob die Veranstaltung wie geplant stattfinden wird oder durch behördliche Eingriffe noch gestoppt wird, ist derzeit offen.