ANTALYA – Die Luftqualität in Antalya wird zunehmend durch Wüstenstaub und lokal aufgewirbelten Straßenstaub beeinträchtigt. „Wasser oder Boden lassen sich ersetzen, verschmutzte Luft nicht. Für den Atem gibt es keine Alternative“, betont Doç. Dr. Güray Doğan von der Akdeniz-Universität (AÜ).
Doğan, Umwelttechnik-Experte an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften, erklärt, dass insbesondere im Frühling und Herbst Staub aus der Sahara und Nordafrika in der Region konzentriert auftrete. Dies führe zu schlechter Sicht, steigenden Atemwegserkrankungen und könne bei Personen mit Herzproblemen Symptome auslösen.
Natürlicher Wüstenstaub vs. lokaler Straßenstaub
Doğan unterscheidet zwischen zwei Staubquellen: Wüstenstaub sei ein natürlicher Prozess, dessen Effekte durch Anpassungsmaßnahmen gemildert werden könnten. Lokaler Staub hingegen entstehe durch Straßenbauarbeiten und könne kontrolliert werden. „Wenn Baustellen auf Hauptverkehrsstraßen nicht rechtzeitig geschlossen werden, steigt die Staubbelastung. Gröberer Staub ist meist nicht lebensgefährlich, belastet aber den Alltag, besonders für Asthmatiker“, so Doğan.
Er rät, an Tagen mit hoher Staubbelastung, Aktivitäten im Freien zu meiden – insbesondere für Kinder, ältere Menschen und chronisch Kranke.
Lösungen erfordern Planung und Kontrolle
Zum Absenken der Staubkonzentration eignen sich Bewässerungs- und Reinigungsmaßnahmen, doch angesichts der Wasserknappheit in der Region sei eine dauerhafte Nutzung problematisch. „Die wirkliche Lösung liegt darin, Bauarbeiten sorgfältig zu planen und zügig abzuschließen“, so Doğan.
Die größte Gefahr für die Luftqualität geht laut Doğan von motorisierten Fahrzeugen aus. „In den letzten zehn Jahren stieg die Zahl der Fahrzeuge in der Türkei um 66 Prozent, in Antalya sogar um 178 Prozent. Ohne eine Förderung des öffentlichen Nahverkehrs wird der Kampf gegen Luftverschmutzung nicht gelingen.“
„Luft ist unser wichtigster Parameter“
Abschließend betont der Experte die Einzigartigkeit der Luft: „Wenn die Luft verschmutzt ist, können wir nichts tun. Wasser lässt sich importieren, Boden anderswo bearbeiten – aber Luft zum Atmen können wir nicht transportieren. Schon nach drei Minuten ohne saubere Luft ist das Leben bedroht. Deshalb sind dringend Schutzmaßnahmen und bei Bedarf auch rechtliche Sanktionen erforderlich.“