In der türkischen Urlaubsregion Kumluca eskaliert der Konflikt um wildes Campen. Auf Anordnung der Kreisverwaltung (Kaymakamlık) räumte die Gendarmerie am Dienstag den bei Reisemobilisten beliebten Aktaş-Strand im Ortsteil Mavikent. Dutzende Wohnmobile wurden zwangsweise auf ein Ausweichgelände im Ortsteil Beykonak umgesetzt. Die Behörde begründet diesen Schritt mit Gefahren für die öffentliche Ordnung und den Umweltschutz. Die betroffenen Wohnmobilbesitzer sehen sich hingegen als Sündenböcke einer verfehlten Politik.
In einem schriftlichen Erlass von Landrat Bahadır Güneş heißt es, die „unkontrollierte Zunahme” von Wohnmobilen an Straßenrändern, Grünflächen und vor allem an der Küste habe zu „erheblichen Störungen” geführt. Konkret verweist die Verfügung auf die Beeinträchtigung des Verkehrsflusses, die Einschränkung des Zugangs der Öffentlichkeit zu Stränden sowie auf ein erhöhtes Risiko bei der Bekämpfung von Waldbränden. Unter Berufung auf das Provinzialverwaltungsgesetz (Nr. 5442) wurde das Übernachten mit Wohnmobilen außerhalb genehmigter Campingplätze daher im gesamten Bezirk untersagt. Bei Zuwiderhandlung droht das Abschleppen der Fahrzeuge auf einen Verwahrparkplatz.
Die Betroffenen wehren sich gegen die Darstellung, sie seien für die Vermüllung verantwortlich. Kıvanç Tutal, der mit seinem Wohnmobil aus Bursa angereist war, sagte gegenüber Reportern: „Man schiebt uns die Umweltverschmutzung in die Schuhe. Dabei haben wir den Müll hier immer selbst eingesammelt. Wenn wir nicht mehr da sind, wird es hier erst richtig dreckig werden.“ Tutal betonte außerdem, dass sie die öffentlichen Sanitäranlagen der Gemeinde nutzen und keine Chemietoiletten in der Natur entleeren. „Wir fliehen vor dem Chaos des Alltags, aber hier erleben wir nur neues Chaos.“
Ähnlich äußerte sich Tamer Özcan, ein 52-jähriger Rentner aus der Stahlindustrie. Er habe drei Jahrzehnte im Schichtdienst gearbeitet und sich vom Ruhestand eine Reise durch die Heimat versprochen. „Ich habe diesen Strand dreimal am Tag gereinigt. Jetzt heißt es von der Polizei nur: ‚Räumt das hier, der Grund ist egal‘“, sagte Özcan. Er beklagte eine „Sippenhaft“, bei der ordentliche Camper mit jenen gleichgesetzt würden, die tatsächlich Müll hinterließen. „Man zeigt uns keinen adäquaten Alternativplatz. Das zugewiesene Gelände ist schlecht.“
Auch Erol Mergen (55) pocht auf eine Differenzierung: „Wer Abwasser einfach ablässt, ist kein Wohnmobilist nach unserer Philosophie. Uns schmerzt es, mit diesen Leuten in einen Topf geworfen zu werden.“ Die Gruppe betont, dass sie lediglich eine grundlegende Infrastruktur mit Trinkwasser und Toiletten fordere. Die geplante Rückreise vor dem anstehenden Bayram-Fest macht die Aufregung für viele doppelt bitter. Sefa Dingeç aus Bilecik fasste die Situation resigniert zusammen: „Wir sind vor zehn Tagen für die frische Luft und Wärme hergekommen. Jetzt fliegen wir hier raus, bevor wir ohnehin abreisen wollten.“