ATVs, Traktoren und Lagerfeuer: Wer Antalyas Caretta-caretta-Strände stört, muss tief in die Tasche greifen

Bilder: DHA
01.07.2026 – 10:00 Uhr

Die Niststrände der vom Aussterben bedrohten Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) an der türkischen Mittelmeerküste stehen zunehmend unter Druck. Naturschützer warnen vor schweren Schäden durch Fahrzeuge, Müll und illegale Aktivitäten an den Stränden. Für Verstöße drohen Geldstrafen von bis zu 699.245 Türkischen Lira.

Nach Angaben von Dr. Ali Fuat Canbolat, Vorsitzender des Vereins für Ökologische Forschung (EKAD), befinden sich einige der wichtigsten Nistgebiete der Caretta caretta weltweit in der Provinz Antalya. Der rund 30 Kilometer lange Küstenabschnitt zwischen Lara, Kundu, Kadriye, Belek, Boğazkent und Denizkent gilt als größter Niststrand im Mittelmeerraum.

Trotz nächtlicher Betretungsverbote fahren immer wieder Autos, Traktoren und Geländefahrzeuge über die Strände und beschädigen dabei Nester der Meeresschildkröten. Besonders problematisch seien Quads (ATVs), die in einigen Regionen regelmäßig am Strand unterwegs seien.

 

 

Ein weiteres großes Problem sei die zunehmende Vermüllung der Strände. Tagesausflügler und Angler hinterließen häufig Abfälle, die sowohl die Nester als auch die frisch geschlüpften Schildkröten gefährden. Zusätzlich würden nach starken Regenfällen große Mengen an Müll über Flüsse ins Meer gespült und anschließend an die Strände getragen.

Canbolat kritisierte außerdem den Einsatz schwerer Traktoren zur Strandpflege. Diese verdichteten den Sand und erschwerten den Schildkröten das Anlegen ihrer Nester. Hinzu komme, dass an einigen Stränden weiterhin illegal Sand entnommen werde – ein Verstoß gegen das türkische Küstenschutzgesetz.

Auch künstliche Beleuchtung stelle eine Gefahr dar. Vor allem in den touristisch stark erschlossenen Gebieten von Belek und Boğazkent erschwere das Licht der Hotels den Orientierungssinn der Tiere. Gemeinsam mit mehreren Hotels habe EKAD deshalb Beleuchtungskonzepte entwickelt und Umweltzertifikate vergeben.

Besonders besorgt zeigen sich die Naturschützer über wiederholte Verstöße gegen die Schutzbestimmungen. So seien an Stränden Feuerstellen direkt neben oder sogar auf markierten Schildkrötennestern entdeckt worden. In einem besonders erschütternden Fall sei einer Meeresschildkröte sogar ein Gehwegstein an ein Bein gebunden worden.

Zum Schutz der Tiere gelten an insgesamt 21 ausgewiesenen Niststränden strenge Regeln. Unter anderem sind nächtliches Betreten, das Befahren der Strände, das Entzünden von Lagerfeuern oder Grillen sowie das Aufstellen von Zelten verboten. Wer gegen diese Vorschriften verstößt oder den Tieren, ihren Nestern oder ihrem Lebensraum Schaden zufügt, muss mit einer Geldstrafe von 699.245 Türkischen Lira rechnen. Für Unternehmen kann die Strafe sogar auf das Dreifache steigen.

Dr. Canbolat fordert, die bestehenden Sanktionen konsequent durchzusetzen. Nur wenn Verstöße tatsächlich geahndet würden, könnten die empfindlichen Nistgebiete der Caretta caretta langfristig wirksam geschützt werden.